Schneller Retter in Heide und Altmark – drei bewegte Jahrzehnte ist Christoph 19 im Einsatz

28 927 Flüge und ein Absturz

Der Leitende Hubschrauberarzt Dr. Horst Theodor Fricke mit Stationsleiter Ralf Hartmann und ADAC-Vizepräsident für Technik, Thomas Burkhardt (von links), vor dem Uelzener Rettungshubschrauber.

Uelzen. Die Zahl der Verkehrstoten auf Deutschlands Straßen hat sich drastisch von ehemals 20 000 pro Jahr auf rund 4000 reduziert – doch der Uelzener Rettungshubschrauber Christoph 19 wird in diesem Jahr so viele Einsätze fliegen wie noch nie:

„Nach derzeitigen Prognosen knacken wir erstmals die Grenze von 1500 Alarmierungen“, erklärte gestern Chefpilot Ralf Hartmann. Auf dem Hangar in Uelzen sollte eigentlich der 30. Geburtstag des Rettungsfliegers gefeiert werden – doch das knallgelbe Fluggerät des ADAC ließ auf sich warten. Einsatz Nummer 28 927 seit dem Jungfernflug am 21. September 1981 war „schuld“ daran, dass die zahlreichen Gratulanten dem Geburtstagskind um Haaresbreite hätten nicht gratulieren können.

Verkehrsunfälle machen nur noch sieben Prozent der Einsätze von Christoph 19 aus. Rund fünf Prozent seien häusliche Unfälle, über 55 Prozent internistische Notfälle, also innere Erkrankungen, und über 20 Prozent neurologische Notfälle wie zum Beispiel Schlaganfälle – diese Zahlen nannte der Geschäftsführer der ADAC-Luftrettung, Friedrich Rehkopf. Der Uelzener Rettungshubschrauber wird dabei in rund der Hälfte der Fälle im eigenen Landkreis eingesetzt, zu 14 Prozent im Landkreis Lüneburg, zehn Prozent im Kreis Celle und rund sechs Prozent in der Altmark. Aber auch aus Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und sogar Brandenburg gibt es Anforderungen. Gerade in ländlich strukturierten Kreisen zähle oftmals jede Minute – etwa beim Schlaganfall oder Herzinfarkt, betonte die stellvertretende Ärztliche Direktorin des Uelzener Klinikums, Dr. Ulrike Heesemann.

Vor 30 Jahren hieß Christoph 19 noch „Phönix 14“ und wurde zunächst von der Polizei gestellt – er war der zweite Rettungshubschrauber in Niedersachsen. Anderthalb Jahre später übernahm die ADAC-Luftrettung mit eigenen Piloten den Flugdienst, zehn Notärzte des Klinikums und fünf Rettungsassistenten des Deutschen Roten Kreuzes ergänzen heute die Besatzung.

„Da wir uns damals in der 30-Kilometer-Flugzone zur innerdeutschen Grenze befanden, war das nicht leicht zu organisieren“, erinnerte Thomas Burkhardt, ADAC-Vizepräsident für Technik. Doch 1990 war das Geschichte – der Radius von Christoph 19 erweiterte sich auch auf die Altmark.

Der spektakulärste Einsatz von Christoph 19 war das Zugunglück von Eschede am 3. Juni 1998, bei dem der Uelzener Rettungshubschrauber als erster eintraf. Doch der gelbe Flieger geriet auch selbst in die Schlagzeilen – als auf der Bundesstraße 71 bei Eimke ein Auto und ein Lkw in den bereits gelandeten Hubschrauber fuhren. Negativer Höhepunkt war der Absturz am 20. Januar 2003, als der Pilot verbotenerweise bei Bienenbüttel unter einer Brücke des Elbe-Seitenkanals hindurchflog und sank. Der Notarzt starb bei dem Manöver, der Pilot wurde zu einem Jahr und sieben Monaten Haft auf Bewährung verurteilt und vom ADAC entlassen.

Der Automobilclub setzt auch weiter auf die Luftrettung von Uelzen aus: Derzeit wird der Hangar renoviert und vergrößert.

Von Thomas Mitzlaff

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