Lebensbeichte eines Bankräubers

23-Jähriger bezichtigt Halbbruder eines Spielhallenüberfalls – doch der wird freigesprochen

Uelzen/Lüneburg. Es ist ein großes Familien- und Freundetreffen gestern Mittag auf dem Flur des Landgerichts Lüneburg.

Der jüngste Täter des Banküberfalls vor knapp zwei Jahren in Westerweyhe (er ist im offenen Vollzug), seine 21-jährige Freundin samt Baby, die „zufällig“ wenige Monate zuvor als Gast in einer Uelzener Spielhalle war, als diese überfallen wurde, und ein weiterer Kumpel aus Westerweyhe, der wegen dieses Überfalls gestern vor Gericht stand. Nur der Halbbruder des Bankräubers muss als zweiter Angeklagter im Saal bleiben – denn er sitzt wegen eines anderen Überfalls ohnehin im Gefängnis.

Eigentlich hätte diese Verhandlung um den nächtlichen Überfall auf die Spielhalle in Uelzen vom 28. Januar 2014 nie stattfinden sollen. Denn die Staatsanwaltschaft hatte die Akte schon geschlossen – die Täter waren nicht zu ermitteln. Doch dann fasste man im Sommer 2014 die Bankräuber, die die Sparkasse Westerweyhe überfallen hatten. Und einer der Täter, 23 Jahre alt, nutzte die Vernehmung durch die Polizei gleich dazu, um eine Lebensbeichte abzulegen.

Ein Teil dieses Geständnisses: Sein Halbbruder Kevin B. habe die Spielhalle überfallen. Eine Version, die die heute 21 Jahre alte Freundin des 23-Jährigen prompt bestätigte: Sie sei beim Zählen der Beute in der Westerweyher Wohnung dabei gewesen, schilderte sie den Ermittlern.

Die Staatsanwaltschaft zimmerte aus diesen beiden Aussagen eine Anklage, die wurde gestern vor der vierten großen Strafkammer verhandelt – und fiel schon am ersten Verhandlungstag in sich zusammen. Denn der Bankräuber erinnerte sich daran, dass er als Familienangehöriger seinen Halbbruder ja nicht belasten müsse. Seine Freundin dagegen litt unter totalem Gedächtnisverlust, sie erinnerte sich nur daran, dass ihre Aussage bei der Polizei nicht stimme. Was sie da denn gesagt hatte, wusste sie indes nicht mehr.

Am Ende blieb somit von der Anklage nichts übrig, musste der Staatsanwalt einräumen, „und zwar gar nichts“. Ihm seien sämtliche Beweise weggebrochen, es habe letztlich keine Spuren gegeben. Und so wurden beide Angeklagten freigesprochen, der eine wandert zurück in die JVA Uelzen, der andere nahm am Familientreffen auf dem Flur teil.

Zurück bleibt eine Spielhallenaufsicht, die seit dem Überfall in therapeutischer Behandlung ist und sich seitdem nachts nicht mehr allein aus dem Haus traut. Denn sie wurde nur fünf Monate später erneut Opfer eines Spielhallenüberfalls in Uelzen.

Von Thomas Mitzlaff

Kommentare