Prozess gegen mutmaßliche Skimming-Betrüger / Viele Nutzer in Uelzen betroffen

1000 Bankkarten manipuliert

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Der 31-jährige Mitangeklagte (Mitte), hier mit seiner Rechtsanwältin Antje Heister aus Hannover und dem Dolmetscher, hielt sich beim gestrigen Prozessauftakt am Hildesheimer Landgericht verschämt die Anklageschrift vor das Gesicht.

Uelzen/Hildesheim. Rund 1000 Bankkarten sollen zwei 21 und 31 Jahre alte mutmaßliche Mitglieder einer international operierenden Bande an Bankautomaten von Kreditinstituten und an Fahrkartenautomaten ausgespäht haben.

Seit gestern sitzen die beiden auf der Anklagebank des Hildesheimer Landgerichts. Sie sollen laut Staatsanwaltschaft die Technik an Automaten in Uelzen, Gifhorn, Celle, Hannover und in anderen Orten manipuliert und dabei insgesamt rund 140 000 Euro erbeutet haben.

Am 17. August 2013 war einer der Bankautomaten der Sparda-Filiale an der Uelzener Gudesstraße nach dem so genannten Skimming-Verfahren manipuliert worden. Die Karten von 59 Nutzern wurden dabei ausgespäht. Während die ahnungslosen Kunden am manipulierten Automaten Geld abhoben oder mit der Scheckkarte Fahrscheine bezahlten, las ein heimlich angebrachter Scanner den Magnetstreifen aus, eine unsichtbare Minikamera filmte die Geheimnummer-Eingabe.

„Verwertet wurden die Bankdaten in Slowenien“, erklärte Staatsanwalt Markus Brandt. Mittäter hätten aus den Bankdaten Dubletten hergestellt und diese für Abhebungen und Wareneinkäufe im osteuropäischen Raum genutzt. „Nach einigen Stunden wurden die Geräte wieder abgebaut“, sagte Brandt. „Vier Buchungen konnten von ausgespähten Automatenbenutzern in Uelzen registriert werden.“ Insgesamt seien von den ausgespähten Daten der Nutzer des Uelzener Sparda-Automaten 5826,99 Euro abgebucht worden.

Einer Bankangestellten waren die Manipulationen im September vorigen Jahres aufgefallen. Im Zuge der Ermittlungen kam die Polizei den beiden Angeklagten auf die Spur. In deren Wohnung beschlagnahmten die Beamten daraufhin umfangreiches Beweismaterial wie Geldautomatenblenden, Einzugschachtvorsätze, Blankokarten mit Magnetstreifen und spezielle Computer-Technik zum Auslesen der Kartendaten und zur Fälschung von Dubletten. Der Prozess geht weiter. Bis zu zehn Jahre Gefängnis droht das Gesetz für Skimming-Betrug an.

Von Angelika Jansen

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