Die Seewiesen sind tabu

Neben der Vorzugstrasse (gestrichelte Linie) haben sich die Bodenteicher Gedanken über weiter östlich liegende Trassen gemacht. Favorisiert wird die Linienführung ganz rechts, mögliche Alternative wäre die gepunktete Linienführung der etwas geänderten Vorzugsvariante, die die Seewiesen umgeht. In Blau die Querspange der B 190n.

Von Walter ManickeBad Bodenteich. Ein wenig enttäuscht schienen einige Zuhörer, dass sie nicht mitdiskutieren konnten. Doch das sieht die Niedersächsische Gemeindeordnung auch nicht vor. So blieb ihnen nur übrig, aufmerksam die Sitzung des Rates des Fleckens Bad Bodenteich zu verfolgen, als es um die Stellungnahme zum Raumordnungsverfahren des geplanten Baus der A 39 ging.

Die etwa 30 Zuhörer am Montagabend im "Braunschweiger Hof" erfuhren, wie der Rat zur A 39 steht. Die wird von der überwältigenden Mehrheit begrüßt – mit Einschränkungen. Der Bau der Querspange B 190n sollte bis zur B 4 erfolgen, wird gefordert. Außerdem plädiert der Rat dafür, dieses Projekt ebenfalls in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes aufzunehmen.

Der Rat hatte sich im Vorfeld intensiv mit dem Raumordnungsverfahren auseinander gesetzt. Herausgekommen sind sechseinhalb eng beschriebene DIN-A-4-Seiten. Die Stellungnahme des Rates, dem von der Landesbehörde für Straßenbau in Lüneburg eine Fristverlängerung bis Ende Juli eingeräumt worden war, trug Bürgermeister Claus-Dieter Reese vor.

Der Flecken fordert anstelle der Vorzugsvariante für die A39 eine Trassenverschiebung in östliche Richtung, damit das sensible Gebiet der Seewiesen umgangen und um die Ortslage von Bad Bodenteich herum ein größerer Landschaftsraum für Naherholungszwecke beibehalten wird. Grund: Die bisherigen Investitionen und die künftige Entwicklung insbesondere des Fleckens sollen nicht gefährdet werden. Die vorgeschlagene Variante führt östlich an Schafwedel vorbei, schwenkt südlich von Langenbrügge nach Westen und wird im Bereich von Gannerwinkel wieder an die Vorzugsvariante angeschlossen. Diese Trasse verschone das Seewiesengebiet, die Entlastungswirkungen wären ähnlich hoch wie bei der Vorzugsvariante. In seiner ausführlichen Begründung geht der Flecken auch auf den Naturschutz, die Landschaftspflege und den Fremdenverkehr ein, der in der Bad Bodenteicher Region einen hohen Stellenwert habe. Breiten Raum nimmt auch die verkehrliche Entwicklung ein. Es wird, wie berichtet, davon ausgegangen, dass der Bau der A 39 eine Verkehrsentlastung für die Bad Bodenteicher Ortsdurchfahrt bringt. Durchsetzen möchte der Flecken ein Durchfahrtsverbot für Lkw von mehr als 12 Tonnen und hofft dabei auf die Unterstützung des Landes und des Kreises Uelzen.

Angemahnt wird, dass die Schutzgüter Mensch, Erholen und Landschaft auch entsprechend berücksichtigt werden. Das bedeutet, die Lärmbelastung für die Menschen in den einzelnen Dörfern entlang der Trasse muss auf ein Mindestmaß reduziert werden. Die Verschiebung der Vorzugstrasse um 500 bis 1000 Meter nach Osten würde einen Teil der geschilderten Eingriffe zumindest mildern und die Auswirkungen für den Flecken und die direkt Betroffenen minimieren. Sollte wider Erwarten die vom Rat favorisierte Alternativ-Trasse abgelehnt werden, schlägt der Rat eine Verschiebung der Vorzugsvariante nach Westen um 300 Meter um den Ort Bomke vor.

Die Nachricht, dass die Vorzugstrasse durch die Seewiesen führen sollte, hatte auch bei den Kommunalpolitikern aller Parteien Bestürzung ausgelöst, wie Ratsherr Ernst-Moritz Priebe (SPD) unterstrich. Trotzdem trage man das Konzept der A 39 mit. Durch die Festlegung der Osttrasse würden die Bürger am wenigsten beeinträchtigt, versicherte CDU-Fraktionsvorsitzender Edgar Staßar.

Auch Wilfried Nickel (Wählergemeinschaft) hatte mit dem Bau der Autobahn im ehemaligen Grenzgebiet gerechnet. Nach seiner Auffassung wird die Autobahn dem Großteil der Betroffenen mehr nutzen als schaden. Lediglich Werner Schulz (CDU) aus Schafwedel stimmte gegen die Stellungnahme. Er befürchtet eine zu große Belastung für Schafwedel durch Verkehrslärm.

Erschienen: 12.07.2006: AZ / 160 / Seite:8

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