„Schreiben Sie es auf"

Uelzen - Von Marc Rath. Wenn Eckehard Niemann gegen die Autobahn 39 loslegt, summieren sich die Minuten schnell. Eine Stunde ist am Donnerstagabend in der Uelzener Stadthalle vergangen:

Niemann hat in dieser Zeit vor 200 Zuhörern auf der Mitgliederversammlung des Schutz- und Klagefonds mehr als ein Dutzend Folien aufgelegt und mehr als hundert Ansatzpunkte aufgezeigt, mit denen Gegner des Straßenbauprojektes ihre Einwendungen beschreiben und konkretisieren können. >Ob Beeinträchtigungen durch Lärm, Schäden für Tiere, Pflanzen und Boden bis hin zu den Einschränkungen für Land-, Forst- und Wasserwirtschaft – es gibt keinen Bereich, wo Niemann keinen Tipp parat hätte. "Schreiben Sie auf, wo Sie die Probleme sehen", erklärt der Sprecher der rund 30 Bürgerinitiativen gegen die Autobahntrasse. "Gehen Sie von Ihren Interessen aus, betrachten Sie aber auch die der Gemeinde", rät er.Dabei könnten die Betrachtungen ruhig subjektiv sein – "was finden Sie jetzt schön, was wäre hinterher nicht mehr schön?" Wichtig sei, dass im Rahmen des Raumordnungsverfahrens in den nächsten Wochen alle Aspekte auf den Schreibtischen der Regierungsvertretung Lüneburg landeten. "Sie müssen Ihre Bedenken auch nicht beweisen können, aber Sie sollten sie so konkret und plastisch wie möglich benennen", rät Niemann zur Offensive. "Ich will ja nicht nur jammern", übermannt den Varendorfer an diesem Abend manchmal selbst das Gefühl, nur alles negativ zu sehen. Doch es gehe jetzt eben um Einwände –"wenn eine Autobahn sinnvoll ist, muss man das hinnehmen, aber wenn sie unsinnig ist – dann muss man sie verhindern". Erlaubt ist für Niemann, was gefällt – in diesem Falle missfällt. Und er weist nochmals darauf hin, dass es bei den Einwänden nicht nur um die nunmehr ausgewählte Vorzugstrasse, sondern den gesamten Untersuchungsraum geht. Bedenken dürfe ohnehin jeder einreichen: "Wenn Ihre Bekannten in München gegen die Autobahn sind, können Sie diese auch mobilisieren", ermuntert Niemann. Der Initiativensprecher hofft, dass diese Stimmen die Autobahn "zumindest indirekt zu Fall bringen – das Verfahren wird nämlich teurer". Er setzt auf die politische Wirkung: "Vielleicht sagt jetzt doch der ein oder andere Politiker aus der Region ,Lass uns das neu bewerten‘. Es wäre wichtig, wenn da ein oder zwei wären, die diese Traute hätten." Starker Beifall brandet auf. Niemann bedankt sich: "Er kommt hoffentlich an der richtigen Stelle an." Erschienen: 22.04.2006: AZ / 94 / Seite:5

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