Das Wort zum Sonntag:

Es ist schon entschieden

„Weihnachten wird unterm Baum entschieden!“, so tönt es uns seit einiger Zeit aus der Werbung entgegen. In meinem Hinterkopf entsteht sofort ein Bild von Menschen, die versuchen, sich bei der Bescherung gegenseitig zu übertrumpfen mit immer größeren und noch teureren Geschenken.

Ein Wettkampf soll entschieden werden. Weihnachten, das Fest der Konkurrenz?.

Dieser Werbesatz macht mich traurig und wütend zugleich. Weihnachten ist doch anders! Ich behaupte einfach mal, dass es ganz vielen Menschen so ähnlich geht wie mir: Da ist die Sehnsucht, dass es gerade zu Weihnachten keine Konkurrenz gibt. Da ist die Hoffnung, einmal einfach ich selbst sein zu dürfen, ohne anderen etwas vorspielen zu müssen. Und da ist der tiefe Wunsch, mich geliebt zu fühlen. Vielleicht klingt das wie ein Kindertraum. Vielleicht ist es auch einer. Aber zu Weihnachten ist ja auch einer zum Kind geworden: Gott. Er hat sich klein gemacht, damit er in die Krippe passt und in die Welt. Gott ist so geworden wie wir, ohne sich groß zu tun oder sich zu verstellen. Einfach nur weil er uns liebt.

Weihnachten wird nicht unterm Baum entschieden. Weihnachten ist schon längst entschieden – in der Krippe! Wir Menschen müssen zu Weihnachten nichts hinzufügen oder wegnehmen. Es ist schon alles da. Es ist unglaublich, dass in dem Kind da in der Krippe Gott seine Antwort für das Leben gibt. Deshalb brauchen wir die Adventszeit vor Weihnachten – um diese Botschaft sacken zu lassen.

Gott hat sich entschieden: für uns Menschen, für die Liebe und für den Frieden. Jetzt ist die Frage an uns, ob wir Gottes Entscheidung annehmen wollen für eine Welt ohne Konkurrenz und ein erfülltes Leben.

Rainer Henne ist Seelsorger in der Justizvollzugsanstalt Uelzen. Das Wort zum Sonntag finden Sie auch im In- ternet unter az-online.de/ lokales/kolumnen.

Von Rainer Henne

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