Wolfsberater Theo Grüntjens fordert Gesetzesänderungen für Umgang mit dem Raubtier

Wirbel nach Wolfs-Tötungen

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Auf einem Feld bei Grabau wurde vergangene Woche ein verletzter Wolf eingeschläfert. Wolfsberater Theo Grüntjens glaubt, dass das abgemagerte Tier zuvor angefahren wurde.

Grabau/Hannover. Die Entnahme des Problemwolfs Kurti vor drei Wochen und das Einschläfern des angefahrenen verletzten Wolfes bei Grabau in der vergangenen Woche schlagen hohe Wellen. Strafanzeigen sind gegen Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) eingegangen.

So hat etwa die Vorsitzende der Tierschutzpartei Ethia, Bettina Jung, nach der Tötung Kurtis den Minister angezeigt.

„Die von Umweltminister Wenzel veranlassten Maßnahmen, sind entsprechend den rechtlichen Vorgaben erfolgt“, sagt Ministeriumssprecherin Dunja Rose auf AZ-Nachfrage. Dass es jetzt trotzdem zu einer juristischen Prüfung der Vorgänge komme, sei verständlich, weil die ganze Debatte sehr emotional geführt werde. „Einige Zuschriften an uns sind aber mehr als grenzwertig in Bezug auf den Umgangston“, so Dunja Rose. Insgesamt habe es viele kritische aber auch positive Schreiben gegeben.

Beim Umgang mit dem Grabauer Wolf sei man in ein Dilemma geraten, sagt Wolfsberater Theo Grüntjens. Tierschutzrechtlich hätten man früher handeln, das Tier betäuben und untersuchen müssen. Das Artenschutzrecht aber stehe da im Weg, weil es jede Einmischung verbiete, so Grüntjens. Eine Gesetzesänderung müsse her. Das Ziel: den Umgang mit Problem-Wölfen oder verletzten Tieren vereinfachen und damit auch die Akzeptanz für den Wolf in der Bevölkerung steigern.

Der Wolf bei Grabau war laut Grüntjens ein einjähriges Jungtier. In den vergangenen acht Wochen sei es mindestens drei Mal gesichtet worden. Die Fellfarbe, der verletzte rechte Vorderlauf und das beobachte Verhalten sprächen dafür. „Ich vermute, dass er angefahren wurde und dann immer mehr abmagerte, weil er nicht mehr jagen konnte“, sagt Grüntjens.

Der verletzte Wolf habe sich immer wieder ein paar Meter weitergeschleppt und sei dann liegen geblieben. Dem Kreisveterinär sei nichts anderes übriggeblieben, als den Wolf einzuschläfern. „Wir haben zwar noch andere Lösungen vorgeschlagen. Aber rechtlich waren sie nicht umsetzbar“, sagt Grüntjens.

Auch dem Wolfsbüro im Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft Küsten- und Naturschutz (NLWKN) waren laut Sprecherin Herma Heyken Meldungen über einen lahmenden Wolf im Kreis Uelzen bekannt. „Lahmende Wölfe werden grundsätzlich nicht betäubt und untersucht, weil viele Verletzungen mit der Zeit von selbst verheilen“, informiert die Sprecherin. Solange der Wolf sich selbstständig bewegte, sei es daher nicht nötig gewesen diesen aufzusuchen. Am 15. April habe die Landesjägerschaft noch eine Verbesserung des Zustands des Wolfs gemeldet. „Daher sahen wir keinen Anlass, den Wolf zu untersuchen“, sagt Herma Heyken

Von Lars Lohmann

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