Nur Tempo 30 an der Lüneburger Straße erlaubt

Störche finden neue Heimat in Oetzen

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Daumen drücken: Wenn die beiden Störche in Oetzen erfolgreich brüten, wäre es das erste Mal seit rund 50 Jahren, dass es im Landkreis Uelzen Weißstorch-Nachwuchs gibt.

Oetzen. Es wäre eine kleine Sensation: Seit rund 50 Jahren hat kein Storchenpaar im Landkreis Uelzen erfolgreich gebrütet. Nun sieht es so aus, als könnte es in Oetzen klappen.

Ungewöhnlich ist vor allem der Ort, den sich die beiden Schreitvögel ausgesucht haben: Ihr Nest befindet sich auf einer in der Spitze abgesägten Birke direkt an der Lüneburger Straße gegenüber dem Restaurant Zum Rauchfang.

Da leuchten die Bremslichter: In Oetzen gilt aus Rücksicht auf die beiden Störche Tempo 30.

„Der Lebensraum ist passend“, findet Waldemar Golnik von der NABU-Kreisgruppe Uelzen. Schließlich gebe es viele Wiesen in der Wipperau-Niederung. „Da finden sie ihre Nahrung“, sagt Golnik.

Doch die beiden Störche leben gefährlich, denn hin und wieder überqueren sie zu Fuß die vielbefahrene Lüneburger Straße. „Das Schlimmste sind die Lkws“, findet Christa Storm, die Nachbarin von Hiltrud Müller, auf deren Grundstück die beiden Vögel ihr neues Zuhause gefunden haben. Doch der Landkreis Uelzen hat bereits eingegriffen. An den Ortseingängen stehen Tempo-30-Schilder. Wer aus Stöcken kommt, wird darüber hinaus mit dem Hinweis auf die Störche angemahnt, die Geschwindigkeit zu drosseln. Aber nicht alle Verkehrsteilnehmer halten sich dran. Und so kassieren Christa Storm und ihre Nachbarin Hiltrud Müller so manche böse Geste, wenn sie Auto- oder Lkw-Fahrern nahelegen, auf die Bremse zu treten.

„Seit Ostermontag haben wir die beiden Störche beobachtet“, schildert Storm. Erst saßen sie auf den beiden Schornsteinen eines Hauses neben dem Restaurant. „Am Dienstag nach Ostern haben sie dann angefangen, ihr Nest zu bauen“, weiß Hiltrud Müller. Erst war sogar noch ein dritter Storch mit von der Partie, aber der wurde durch lautes Klappern von seinem Konkurrenten vertrieben.

„Tagsüber sind sie meistens unterwegs“, sagt Müller. Ihr Nest bauen sie derweil immer noch weiter. Deshalb hat die Grundstücksbesitzerin einige Äste und Zweige zurechtgeschnitten und im Garten verteilt, damit sich die beiden Vögel Baumaterial abholen können.

Die Störchin – das hat Waldemar Golnik inzwischen festgestellt – ist beringt und stammt von östlich der Elbe. „Die müssten jetzt eigentlich mit dem Brüten loslegen“, ist er sich sicher. Schon vor drei Jahren gab es einen Brutversuch von Störchen in Ostedt, der allerdings nicht erfolgreich war. „Es war ein besonders nasses Jahr“, erinnert sich Golnik und drückt die Daumen, dass die Brut in Oetzen ein Erfolg wird.

Von Jörn Nolting

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