Rätzlinger Enthusiasten spielen jeden Mittwochabend neben der ehemaligen Schule

Satte Schläge aufs Holzschiffchen: Kippel-Kappel

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Ein Volltreffer: Thorsten Wachner schlägt den kleinen Kippel (oben im Bild) mit dem Kappel quer über das Spielfeld, den Bolzplatz neben der ehemaligen Rätzlinger Grundschule. Seine Kollegen von der Mannschaft Oberdorf schauen erfreut zu.

Rätzlingen. Ein kurzes, hartes Klacken ertönt auf dem Bolzplatz an der ehemaligen Rätzlinger Grundschule. Sekunden später bricht Jubel aus. Stefan Röper von der Mannschaft Unterdorf hat einen tollen Treffer gelandet.

Das hölzerne Schiffchen ist im hohen Bogen durch die Luft gesaust und weit hinten im Gras gelandet. „Das sind 30 Schritte“, frohlockt Röper, nachdem er die Entfernung abgeschritten hat. Das bringt seinem Team viele Punkte ein.

Kippel-Kappel heißt das Geschicklichkeitsspiel, mit dem sich eine Gruppe Rätzlinger Enthusiasten seit drei Wochen neben der Grundschule vergnügt, und zwar jeden Mittwochabend während der Sommerferien. Schon vor dem Ersten Weltkrieg wurde Kippel-Kappel im Ort gespielt – bis ins 21. Jahrhundert hinein. Nach ein paar Jahren Pause lebt der Wettkampf dank der Initiative von Bernd Burmester seit 2015 wieder auf. „Früher haben wir das in einer Ledermontur gespielt“, flunkert Thorsten Wachner vom Team Oberdorf und muss lachen. An diesem Abend tragen die Spieler jedoch T-Shirts, kurze Hose und Sonnenbrillen.

Die Regeln dieses mit dem Cricket verwandten Spiels, das auch „Ostfriesen-Baseball“ genannt wird, sind einfach: Das angreifende Team muss den Kippel, ein zehn Zentimeter langes, an den Enden kegelförmig angespitztes Rundholz, möglichst weit über das Spielfeld schlagen. Das geschieht mit dem Kappel, einem 60 bis 70 Zentimeter langen Stock. Pro Durchgang hat jeder Angreifer drei Versuche, den Kippel vom Abschlag-Mal, einer V-förmigen Kuhle im Erdboden, wegzuschleudern.

Die verteidigende Mannschaft positioniert sich auf dem Spielfeld und versucht, den Kippel zu fangen. Es gibt unterschiedlich viele Punkte, je nachdem ob der Kippel mit beiden Händen oder – deutlich besser – nur mit einer Hand gefangen wird. Landet das Holzschiffchen hingegen auf dem Spielfeld, muss das verteidigende Team es von dieser Stelle zurück auf den über der Abschlag-Kuhle liegenden Kappel werfen. Nur wenn dieser getroffen wird, wechseln die Teams – und die Verteidiger werden zu Angreifern.

Als Nächster ist Udo Meyer aus dem Oberdorf an der Reihe. „Klack“, macht es wieder, und der von ihm geschlagene Kippel rast quer über den Bolzplatz in ein Gebüsch. „Habt ihr das gesehen? Das waren 80 Grad“, ruft Meyer begeistert. Weniger euphorisch sind da Julius Schubert und Stefan Röper vom Team Unterdorf. Sie müssen den Kippel im hohen Gras suchen. „Das Spiel gefällt mir heute“, sagt Meyer und zeigt auf eine Linde am Spielfeldrand. „Wenn die da nicht wäre, würde ich das eine oder andere Mal darüberwerfen.“

Doch all das ist nur spaßig gemeint. Die beiden Teams – die Trennlinie zwischen Ober- und Unterdorf bilden die Stöckener und die Hanstedter Straße – nehmen das Spiel nicht wirklich ernst. Es wird gefrotzelt, geflucht, gejubelt, gebrüllt, ganz viel gelacht und zwischen den Schlägen immer mal wieder ein kühles Bier getrunken, das auf einem Bollerwagen bereit steht.

„Kippel-Kappel ist ein witziges Spiel. Man trifft andere Leute und erlebt einen schönen Abend“, erklärt Matthias Schubert vom Team Unterdorf, warum er mitmacht. Dabei hatte seine Mannschaft bislang nicht viel zu lachen. Nach drei Spielen der laufenden Saison steht es 3:0 für das Oberdorf, das auch den Wettkampf im Vorjahr gewonnen hat. Am Mittwoch, 20. Juli, um 19 Uhr geht es vor Ort weiter mit der vierten Partie. Zuschauer und weitere Mitspieler sind herzlich willkommen.

Von Bernd Schossadowski

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