Vergünstigungen für Ehrenamts-Karte will die Samtgemeinde nicht anbieten

Rosche macht Kreisprojekt nicht mit

So könnte die Ehrenamtskarte in Rosche aussehen. Bekommen soll sie, wer sich mindestens fünf Stunden pro Woche, seit mindestens drei Jahren, und ohne Aufwandsentschädigung, die über Kostenerstattung hinaus geht, ehrenamtlich arbeitet. Außerdem muss er in einer Organisation arbeiten und mindestens 18 Jahre alt sein. Diese Karte soll Rabatte bei vielen möglichen Einrichtungen ermöglichen. Beispiele: Schnellere Bedienung im Amt, Rabatte bei Unternehmen, Ermäßigter Eintritt in öffentlichen Einrichtungen wie Bibliotheken oder Freibädern. Foto: Land Niedersachsen

Samtgemeinde Rosche. Die Samtgemeinde Rosche wird die Einführung einer Ehrenamtskarte im Landkreis nicht unterstützen.

Das Projekt der Ehrenamtskarte sieht vor, dass Menschen, die in größerem Umfang ehrenamtlich arbeiten, Vergünstigungen bekommen können – mit Vorlage der Karte, die vom Landkreis ausgegeben werden würde. Beispiele für Vergünstigungen wären ermäßigter oder freier Eintritt bei Veranstaltungen oder öffentlichen Einrichtungen. Derzeit sammelt der Landkreis nach Vorschlägen, wo es Ermäßigungen für Ehrenämtler mit Karte geben könnte, der Rat der Samtgemeinde sollte diskutieren, wo und ob überhaupt Ermäßigungen von Seiten der Kommune möglich wären.

In einer knappen Abstimmung wurde nun beschlossen, dass die Samtgemeinde diese Aktion mit ihren Möglichkeiten nicht stützen wird. Die Crux: Das Projekt stammt vom Land Niedersachsen, der Landkreis will es nun im Kreis einführen. Aber die Fehleinnahmen, die durch Rabattaktionen in öffentlichen Gebäuden der Kommune SG Rosche entstehen, muss die Samtgemeinde selbst tragen. Den reinen Verwaltungsaufwand, so wurde SG-Bürgermeister Herbert Rätzmann signalisiert, werde der Kreis übernehmen.

„Bei uns“, sagte Michael Widdecke als Beigeordneter der CDU/FDP-Fraktion im Rat und Bürgermeister der Gemeinde Rosche, „hat das Ehrenamt einen hohen Stellenwert.“ Wenn man sich kreisweit umsehe, so Widdecke, glaube er kaum, dass man eine andere Kommune finde, die mehr fürs Ehrenamt tue. „Aber die Kosten auf uns abzuwälzen, das ist nicht in Ordnung!“

Elke Schulze, Ratsmitglied von Bündnis90/Grüne, sah das nicht so. Sie hielt der schwarz-gelben Mehrheitsfraktion ihre Parteizugehörigkeit unter die Nase: „Dieses Projekt ist durch die schwarze Landesregierung initiiert worden.“ Dass sich nun die Roscher CDU und FDP auch schon vorher im Verwaltungsausschuss gegen eine Beteiligung ausgesprochen habe, wundere sie. Ihre Meinung: „Es ist gut, wenn man den Ehrenämtlern das Gefühl gibt, dass das, was sie tun, auch gewollt ist. Ich glaube auch, dass so ein Projekt dazu beiträgt, dass Menschen hier bleiben“. Denn wer sich einbringe, treffe Leute, fühle sich bestätigt und zu Hause, und bekomme auch Anerkennung durch die Karte. „Finanziell ist dies ein sehr kleiner Beitrag. Alles andere finde ich mehr als kleinlich.“

Jürgen-Peter Hallier (SPD) bekräftigte das. „Zum Jahresende werden wir auf Veranstaltungen eingeladen sein, bei denen wir jedesmal erzählen, wie großartig das Ehrenamt ist. Aber wenn wir den Mund spitzen, müssen wir irgendwann auch pfeifen!“ Die Ehrenamtskarte sei ein symbolischer Beitrag, den man sich durchaus leisten könne. Auch Rüdiger Erler (SPD) warnte vor Sparsamkeit in diesem Punkt: „Landauf, landab gibt es Stimmen, die sagen: Das Ehrenamt läuft uns weg.“ Wenn es nicht gelinge, diesen Trend zu bremsen, stünde es schlecht um die Kommune.

Dass sich die Mehrheitsgruppe aus CDU und FDP durch das vorgepreschte Projekt überrumpelt fühlt, machte Hans-Heinrich Weichsel klar. Die finanziellen Einbußen seien nicht allzu hoch, „aber was mich stört, ist, dass andere beschließen, was wir tun sollen. Der Landkreis oder das Land sollen das tun. Aber mit ihren Mitteln“.

Die Abstimmung war sehr knapp: Acht Stimmen für eine Unterstützung des Projektes mit Rabatten (SPD und Grüne), neun Stimmen dagegen. Weichsel und Rätzmann enthielten sich.

Von Kai Hasse

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