Kein Käufer oder Mieter für verwaistes Gebäude in Sicht / Bürgerin wirft Rat und Verwaltung Ignoranz vor

Rätzlinger Schule als Ladenhüter

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Susanne Leip-Meyer geht mit ihrem Hund Oskar häufig am ehemaligen Schulgebäude in Rätzlingen spazieren. Sie kritisiert, ihr Konzept zur Umnutzung der Fläche sei ignoriert worden.

Rätzlingen. Harald Dammann wirkte enttäuscht. „Wir können heute gar nicht darüber entscheiden. Das muss dann der neu gewählte Rat machen“, sagte der Rätzlinger Bürgermeister am Dienstagabend während der Sitzung des Gemeinderates. Es ging um die künftige Nutzung der ehemaligen Grundschule Rätzlingen.

Dieses Thema entwickelt sich scheinbar zu einer unendlichen Geschichte. Denn aufgrund einer aktuellen Entwicklung konnte der Rat jetzt keinen Beschluss über einen Verkauf oder eine Vermietung des seit Sommer 2014 leerstehenden Schulgebäudes treffen.

Ein Kaufinteressent, der sich vor einiger Zeit gemeldet hatte, ist nun abgesprungen, berichtete Dammann. Damit sind Politik und Verwaltung in ihren Bemühungen, die 1955 errichtete Immobilie zu veräußern, noch keinen Schritt weitergekommen. Und das vor dem Hintergrund, dass die Gemeinde für die Unterhaltung des Objekts jährlich mehr als 3000 Euro aufbringen muss, wie Dammann mitteilte.

Im Auftrag der Gemeinde wurde inzwischen ein Gutachten erstellt, das den Restwert des Gebäudes inklusive des 1648 Quadratmeter großen Grundstücks auf 121 300 Euro schätzt. „Zu diesem Wert werden wir das Objekt aber nicht loswerden können. Das wäre zu schön, um wahr zu sein“, gab Gemeindedirektor Herbert Rätzmann zu. Außerdem sei für einen Verkauf eine öffentliche Ausschreibung erforderlich. Das habe ihm die Kommunalaufsicht bestätigt.

Allerdings hofft der Gemeinderat, doch noch einen Mieter zu finden. Ein Makler aus Uelzen werde jetzt „unverbindlich und kostenfrei“, so Rätzmann, seine Einschätzung abgeben, ob und wie das Gebäude vermietet werden kann. Die Entscheidung über das weitere Vorgehen soll der neue Rat dann auf seiner Sitzung Ende November fällen.

Kein Verständnis für die lange Verzögerung zeigte indes die Rätzlingerin Susanne Leip-Meyer, die die Ratssitzung als Zuhörerin verfolgte. Sie habe Rätzmann bereits im April 2015 vorgeschlagen, das Schulgebäude abzureißen und die Fläche zu einem Dorfmittelpunkt umzugestalten, sagte sie. Dazu habe sie dem Gemeindedirektor ein etwa 20-seitiges Konzept vorgelegt, das auf dem Schulgrundstück unter anderem eine neue Bepflanzung, Bänke und Spielgeräte vorsah. Rätzmann habe ihr zugesichert, sich in dieser Angelegenheit wieder bei ihr zu melden. „Es passierte aber nichts“, kritisierte Leip-Meyer.

Im Verlauf der Monate habe sie Rätzmann dreimal angerufen und einmal persönlich im Rathaus aufgesucht. Doch dieser habe ihr mit keinem Wort gesagt, dass sie eigentlich einen Antrag formulieren müsse. „Als Bürgerin von Rätzlingen habe ich mich engagiert“, erklärte sie. Doch sie habe den Eindruck, dass ihr Konzept von Rat und Verwaltung einfach ignoriert werde. „Das finde ich schon frech“, empörte sich Leip-Meyer. „Wenn Bürger so behandelt werden, ist das traurig.“ Rätzmann und Dammann wollten sich zu diesen Vorwürfen nicht äußern.

Von Bernd Schossadowski

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