Feldtag in Schmölau: Bei den Knollen wird eine mittlere Ernte erwartet

Polierte Biokartoffeln

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Ganz so hoch, wie im vergangen Jahr, werden die Erzeugerpreise für Biokartoffeln wohl nicht steigen. Die Erntemenge wird deutlich höher liegen, lauten die Prognosen. Foto: dpa

Rosche-Schmölau. Nicht etwa, dass die Kartoffelbauern beim Öko-Kartoffeltag in Schmölau sonderlich unter der Konkurrenz aus Ägypten leiden würden, aber die Nachricht, dass ab der kommenden Woche bei Aldi und Edeka wegen EHEC ägyptische Lebensmittel aus den Regalen verschwinden würden, ließ einige von ihnen doch interessiert aufhorchen.

 Schließlich treffen für einen kurzen Zeitraum Frühkartoffeln aus Nahost im Einzelhandel auf die ersten deutschen Kartoffeln. Edeka jedoch erklärt gegenüber der AZ die vermeintliche Nachricht zum Gerücht. Die ägyptischen Kartoffeln seien ohnehin schon wieder weg, den Bockshornklee habe man auch längst ausgelistet und sonst spielten ägyptische Lebensmittel keine Rolle im Sortiment. Wie es denn um die deutschen Öko-Kartoffeln bestellt sei, will der Edeka-Einkäufer von der AZ wissen.

Die letztjährige Ware ist seit Mai vollständig ausverkauft. Auf dem Versuchsacker der Landwirtschaftskammer (LWK) stehen die Kartoffelpflanzen größtenteils gut im Kraut. „Wir haben kein Krautfäulejahr“, stellt Andreas Scholvin von der LWK zufrieden fest, als er eine Ditta zieht. Die hat bereits Knollen in Übergrößen ausgebildet – „nicht marktfähig“, urteilen die Experten, bestenfalls noch als Wirtschaftskartoffel zu verkaufen. Bei der Begutachtung anderer Sorten aber wird klar: Die Kartoffelernte kann bei den frühen Sorten 14 Tage früher beginnen als im vergangenen Jahr.

Die Haupternte wird voraussichtlich in der zweiten Augusthälfte laufen. „Das heißt, dass wir in diesem Jahr voraussichtlich höhere Temperaturen während der Ernte haben werden“, blickt Wilfried Dreyer von der Arge Ökoring voraus, „und damit werden die Kartoffeln auch besser abtrocknen.“ Er rechnet mit weniger Fäulnisproblemen im Lager. Probleme bereitet den Landwirten die Kartoffelkäfer. Die werden bei Biolandwirten mit einem natürlichen Extrakt aus Neem bekämpft – unschädlich für Menschen, aber auch extrem teuer, weswegen manch ein Landwirt schwankt, ob er jetzt noch einmal spritzen soll. „Eher nicht“, rät Reinhard Meyer vom Ökokontor und scherzt: „Gönnt den Käfern doch noch ein bisschen was, so kurz vor der Ernte.“

Meyer schätzt die Ernte nach der kleinen Menge im Vorjahr, die die Preise auf 50 Euro pro 100 Kilogramm klettern ließ, in diesem Jahr als mittlere Menge ein, „mehr als ausreichend für den Bio-Kartoffelmarkt“. Die Preise würden sich wohl um die 30 Euro einpendeln, „vorausgesetzt, wir halten Marktdisziplin“.

Meyer versteht durchaus, dass jeder einzelne Landwirt möglichst alles und möglichst früh vom Feld vermarkten möchte, aber das gehe natürlich nicht.

Meyer hält es für einen weit verbreiteten Irrglauben unter Biolandwirten, dass es ausreiche, „bio“ dranzuschreiben. „Das ist für die meisten Käufer kein Argument“, mahnt er. „Die Käufer entscheiden binnen Sekunden nach Optik und Verpackung und kriegen beim Discounter oft noch nicht einmal mit, dass sie Bioware kaufen.“ Die Ansprüche der Verbraucher an die Optik seien „irrsinnig hoch“ – weswegen inzwischen ein Gutteil der Kartoffeln beim Ökokontor poliert werden.

Von Jürgen Köhler-Götze 

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