Pilotprojekt startet in Suhlendorf

Ein Nachteil der Kreisberegnung ist, dass sie die ohnehin wenigen noch vorhandenen landschaftsgliedernden Elemente wie Hecken und Wege verdrängt.

Suhlendorf. Das Projekt „Biotopvernetzung und Klimawandel – naturschutzfachliches Konzept der Region Obere Wipperau“ ist unter Dach und Fach. Der Vertrag zwischen den Naturschutzverbänden BUND, Nabu, Kreisjägerschaft und der Landwirtschaftskammer Niedersachsen wurde unterzeichnet, Fördermittel sind zugesagt, der Auftrag ist vergeben.

Nun kann das Uelzener Planungsbüro Lamprecht & Wellmann GbR loslegen mit der Biotopkartierung und Bestandserfassung sowie Landschaftsbewertung in der Gemeinde Suhlendorf. Die Erkenntnisse der beiden Planer Lars Wellmann und Hendrick Lamprecht sollen die Grundlage bilden für ein Zielkonzept, welches Eckpunkte für die nachhaltige Entwicklung der Region definiert und sowohl die Belange des Naturschutzes als auch die Anliegen der örtlichen Landwirte berücksichtigt – ein in Niedersachsen bislang einmaliges Pilotprojekt.

„Wir sehen mit diesem Projekt die Chance, uns als Landwirte in übergeordnete Planungen einzubringen. Das war bislang anders“, fasst der Suhlendorfer Landwirt Lutz Meyer seine Beweggründe zur Mitarbeit zusammen. „Uns geht es um den Werterhalt unserer Äcker. Wir stehen Planungen, an denen wir nicht beteiligt sind, grundsätzlich skeptisch gegenüber“, so Meyer.

Dieser Damm ist nun gebrochen – Lutz Meyer als Landwirt sitzt mit Wieland Utermark vom BUND und Karl-Heinz Köhler vom Nabu, mit Gernot Magyar als Vertreter der Kreisjägerschaft Uelzen und mit Monika von Haaren, die die Landwirtschaftskammer Niedersachsen vertritt, an einem Tisch und plant für die Zukunft. Voraussetzung für diese Runde war die Ankündigung von Geldern aus dem EU-Förderprogramm Leader, welches innovative Projekte im ländlichen Raum unterstützt.

Davon sollte zwischen 2008 und 2013 auch der Landkreis Uelzen profitieren. „Wir mussten zunächst ein sinnvolles Projekt definieren“, so Wieland Utermark, der in 2008 zunächst den Schulterschluss zwischen Naturschützern, Landwirten und der Gemeinde herstellte, seit 2009 ist die Landwirtschaftskammer im Boot. „Wir möchten mit unserem landwirtschaftlichen Fachwissen einen Beitrag für das Gutachten leisten. Denn die bekannten Bodenpunkte sind nicht immer ausschlaggebend für die Bewertung einer Fläche“, erläutert Monika von Haaren, die als Projektleiterin von Klimzug-Nord auch als Bindeglied zu dem Forschungsvorhaben der Landwirtschaftskammer über Anpassungsansätze zum Klimawandel in der Metropolregion Hamburg fungiert. Die Kammer hat auch die verwaltungsmäßige Abwicklung des Projektes übernommen. Bezahlt wird es mit Geldern aus dem Leader-Programm, einem Zuschuss der Bingo-Umweltstiftung-Niedersachsen und Eigenmitteln der Betreiber.

Konkreter Ansatz für die Naturschützer sind aktuelle technische Neuerungen in der Landwirtschaft, insbesondere die Kreisberegnung, welche Lutz Meyer seit 2005 anwendet. Nachteil dieser raumintensiven Technik ist allerdings, dass sie die ohnehin wenigen noch vorhandenen landschaftsgliedernden Elemente wie Hecken und Wege verdrängt. Hier soll Ausgleich geschaffen werden, denn „auch die Landwirte sehen Biotopvernetzungen als wichtig an, um die genetische Verarmung von Teilpopulationen zu verhindern“, wie es Wieland Utermark formuliert. Der Erhalt und die Pflege von Wegeseitenräumen könnte auch eine ausgleichende Maßnahme sein.

Dass angestoßene Projekt, da sind sich alle Partner einig, ist nur ein erster Schritt. „Wir werden nach Fertigstellung des Gutachtens kein Einvernehmen von vornherein haben. Es müssen in Gesprächen Lösungen gefunden werden“, so Utermark. Aber: Einen Konsens, der alle die in der Region lebenden Menschen einbezieht, wünschen sich alle.

Von Christine Kohnke

Kommentare