Landwirte ärgern sich über Milchpreise / Staatssekretärin informiert in Stöcken über Hilfe der Regierung

„Tropfen auf dem heißen Stein“

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Dr. Maria Flachsbarth (CDU), parlamentarische Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium, begegnete in Stöcken den Sorgen der Landwirte

Stöcken. „Die wirtschaftliche Situation gibt es momentan nicht her, dass drei Generationen hier auf dem Hof ernährt werden können. Dabei sollte das bei einem modernen Stall mit zukunftsweisenden Investitionen eigentlich der Fall sein“, ärgerten sich die Landwirte Heinrich Büsch und Christoph Pehrs.

Die sinkenden Milchpreise bereiten ihnen große Sorgen. Vor dreieinhalb Jahren investierten sie in den modernen Milchviehbetrieb mit 130 Kühen in Stöcken. „Das Grünland hier ist billig und wir haben in der Gegend nur wenig Konkurrenz“, erklärte Büsch. Eigentlich gute Voraussetzungen, doch das Überangebot an Milch in Europa und Australien sowie die sinkende Nachfrage, unter anderem aus Russland, sorgen für eine Überproduktion auf dem Markt. Die Milchpreise sind teilweise auf unter 20 Cent pro Liter gefallen. Um die Kosten decken zu können, brauchen sie jedoch rund 35 Cent.

„Wir wissen, dass die Situation sehr schlecht ist“, beteuerte Dr. Maria Flachsbarth (CDU). Die parlamentarische Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium war vor Ort, um über die Maßnahmen der Bundesregierung zu informieren. „Die EU und Bundesregierung haben bereits finanzielle Hilfen zur Verfügung gestellt. Wir bilden uns aber nicht ein, dass wir damit alle Höfe in schwierigen Situationen retten können. Die Hilfen sind in solchen Situationen nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, so Flachsbarth. 120 Millionen Euro sollen noch verteilt werden.

Das Ende der Milchquote sei nicht der Grund für die unterirdischen Milchpreise, war sich die Politikerin sicher. „Schon zu Quotenzeiten gab es 2008 und 2009 schwierige Bedingungen.“ Der Grund sei Überproduktion bei sinkender Nachfrage.

Flachsbarth verwies auf das neue Agrarmarktstrukturgesetz. Dies erlaubt den Erzeugerorganisationen und Genossenschaften eine Mengenabsprache über einen begrenzten Zeitraum von sechs Monaten. Als weiteren Lösungsansatz warb Flachsbarth dafür, dass Branchenverbände die Milchpreise durch einen Warenterminhandel an der Börse absichern könnten.

„Das ist kein Instrument“, entgegnete Kerstin Lezius, die als Lehrerin der Celler Albrecht-Thaer-Schule mit einer Klasse von jungen Milchlandwirten vor Ort war. Für die meisten Bauern wäre das Vorgehen viel zu zeitintensiv, andere trauen sich nicht. Kaum jemand würde diesen Aufwand auf sich nehmen, war sie sich sicher. Die Berufsschullehrerin wies darauf hin, dass viele ihrer Schüler von Betrieben kämen, in denen die Milcherzeugung das einzige Standbein sei. „Dann ist es nicht möglich, einfach auf Zuckerrüben umzusteigen, weil es in der Milchproduktion ein Überangebot gibt.“

Juliane von der Ohe spielte auf ein zweites Ärgernis an. „Jedes Jahr müssen irgendwelche neuen Auflagen und Richtlinien erfüllt werden, die von einigen Betrieben kaum geleistet werden können. Dazu kommt ein riesiger bürokratischer Aufwand. Es fällt immer mehr Arbeit am Schreibtisch an, für die eigentlich gar keine Zeit ist.“ Die Landwirtin malte ein düsteres Bild von der Zukunft: „Ich würde meinen Kindern nicht raten, den Hof zu übernehmen. Viele Familienbetriebe werden sich in den nächsten Jahren verabschieden.“

Von Birte Grote

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