Gemeinde hat Wellendorfer Immobilie an Klaus Haase verkauft / Vereine dürfen Objekt weiter nutzen

Landhaus jetzt in privaten Händen

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Klaus Haase, Betreiber eines örtlichen Imbisslokals, hat das Landhaus Wellendorf erworben. Der Verkauf durch die Gemeinde ist in der Dorfgemeinschaft nicht unumstritten.

Wellendorf. Den Besuchern der Bürgerversammlung im Landhaus Wellendorf bot sich jetzt ein trostloser Anblick. Die Räume waren eiskalt sowie teilweise ohne Lampen und Möbel. Auch die Küche war bereits komplett abgebaut.

Im Saal, wo auf Einladung des SPD-Ratsherren Eckhard Meyer über die Zukunft des Landhauses gesprochen wurde, nahmen die Besucher an Tapeziertischen Platz, weil die Dorfgemeinschaft ihre Tische und Stühle bereits ausgeräumt hatte. Weil auch die Ölheizung nicht mehr installiert war, wurde mit Gas-Heizstrahlern zu heizen versucht.

Ratsherr Eckhard Meyer informierte die Bürger über das Landhaus.

Doch die spärliche Einrichtung hatte ihren Grund: Die Gemeinde Suhlendorf hat das sanierungsbedürftige Landhaus – dem Vernehmen nach für 40 000 Euro – zum Jahresende an Klaus Haase verkauft, der gegenüber das Imbisslokal „Wellendorfer Truck Stop“ betreibt. Das Landhaus will Haase künftig gastronomisch nutzen, bestätigt er auf AZ-Anfrage. Dabei beabsichtigt er, bei Feiern oder sonstigen Veranstaltungen Getränke auszuschenken.

Laut Kaufvertrag dürfen die örtliche Feuerwehr, der Schützenverein, der SoVD und der SV Rot-Weiß Wellendorf das 1901 erbaute Landhaus aber weiterhin für ihre Treffen nutzen. „Ich habe da keine Bauchschmerzen“, sagt Meyer im Namen des Sportvereins, dessen Vorsitzender er ist. „Wir haben mit Herrn Haase alles besprochen und sind auf keine Widerstände gestoßen. Das Haus können wir wie bisher nutzen.“

Die Gemeinde Suhlendorf habe das Gebäude verkauft, weil die jährlichen Unterhaltungskosten zu hoch seien, rechtfertigt Meyer den Verkauf. Allein für Heizöl seien 6000 Euro pro Jahr angefallen. Zugleich verteidigte er Haase gegen Kritik aus dem Ort: „Ich schäme mich dafür, wie mit Herrn Haase umgegangen wird. Er wird im Dorf schlecht geredet.“

Dagegen betrachten Teile der Wellendorfer Dorfgemeinschaft den Verkauf der traditionsreichen Immobilie als Verlust. „Wir sind ein bisschen geknickt. Jahrzehntelang wurde das Gebäude als Dorfgemeinschaftshaus genutzt, jetzt haben wir keines mehr“, bedauert Ortsvertrauensmann Udo Paulmann im AZ-Gespräch. Er hofft, dass es für die Vereine und Institutionen nach dem Verkauf keine Nutzungs-Einschränkungen gibt. Dass die Dorfgemeinschaft ihr Mobiliar ausgeräumt habe, sei legitim. Die Einrichtung wird zurzeit im örtlichen Kalthaus zwischengelagert.

Doch bei der Bürgerversammlung gab es auch kritische Stimmen, unter anderem von Bruno Bähre. Er wunderte sich, dass das Landhaus leergeräumt wurde. „Vor 20 Jahren war die Dorfgemeinschaft noch in Ordnung. Mit der Zeit merkt man aber, hier stimmt was nicht“, meinte Bähre. Ein weiterer Vorwurf aus den Reihen der Bürger: Die Gemeinde habe es versäumt, das Gebäude in Schuss zu halten.

Von Bernd Schossadowski und Lars Lohmann

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