Landwirt versäumt vorgeschriebene Abdeckung / Unzufriedene Anwohner fürchten soziale Isolation

Hähnchenmist – ein Haufen Ärger

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Freiliegen verboten: Angrenzend an ein Waldstück türmt sich der Mist aus einem Betrieb in Varbitz – sehr zum Unmut einiger Anwohner.

Varbitz. Hinter einem Waldstück zwischen Varbitz und Müssingen sorgt ein großer Misthaufen für Ärger, weil er nicht ordnungsgemäß gelagert wird – ohne Abdeckung, wie sie für Hühnertrockenkot und Hähnchenmist vorgeschrieben ist.

Und das bereits seit längerem: „Der wird immer größer“, bestätigt ein vor Ort angetroffener Anwohner, der nicht namentlich genannt werden möchte. Auch der Geruch führe je nach Witterung zu einer Belästigung, teilweise sogar in zwei Kilometern Entfernung. Tenor: „Beim Spazierengehen im Wald muss man immer etwas dabei haben, um es sich vor die Nase halten zu können.“ Andere Befragte äußern sich ähnlich, möchten jedoch ebenfalls anonym bleiben. Als Grund nennen sie die Sorge, dass dies von andersdenkenden Bewohnern mit sozialer Isolation sanktioniert werden könnte: „Man wird geschnitten“, formuliert es eine der Personen, „das halbe Dorf redet dann nicht mehr mit einem.“

Nach Informationen der AZ soll zudem die maximal zulässige Lagerfrist überschritten sein. Dabei sind in den „Anforderungen an die Zwischenlagerung von Stallmist und Geflügelkot“ die Bedingungen klar geregelt. Dort heißt es, die „Lagerung von Stallmist, Geflügeltrockenkot und einstreuarmem Geflügelmist außerhalb von undurchlässigen Anlagen ist auf eine Dauer von sechs Monaten begrenzt“. Außerdem müsse „Geflügeltrockenkot und einstreuarmer Geflügelmist, die außerhalb undurchlässiger Anlagen gelagert werden, mit einer für Wasser undurchlässigen Plane oder einer mindestens 10 Zentimeter dicken Strohschicht“ abgedeckt werden.

Landwirt Martin Fehlhaber, der für die Lagerung des Haufens verantwortlich ist, räumt die fehlende Abdeckung ein: „Es handelt sich nicht um Hühnertrockenkot, sondern um Hähnchenmist“, stellt Fehlhaber vorweg klar, „der muss auch abgedeckt werden und das haben wir versäumt.“ Das habe er jedoch gestern schnell nachgeholt. Erfreut sei er über die Abdeckpflicht aber nicht: Wenn der Mist frei von einer Plane Feuchtigkeit aufnehmen könne, ließe er sich wesentlich besser streuen. Die Lösung für dieses Problem könne in einer Betonplatten-Konstruktion für die Lagerung bestehen. Das sei zwar angedacht, in diesem Jahr jedoch finanziell nicht mehr zu realisieren. Der Hähnchenmist stamme aus seinem eigenen Stall, falle dementsprechend nun einmal kontinuierlich an und müsse irgendwo gelagert werden, bis es aus landwirtschaftlicher Sicht Sinn mache, ihn zu als Dünger auf die Felder zu bringen.

Ein anderer Vorwurf aus Varbitz richtet sich an den Landkreis Uelzen: Angeblich seien die zuständigen Behörden über den nicht abgedeckten Haufen informiert worden, sie wären jedoch nicht eingeschritten. Dazu kann der Landkreis derzeit nicht eindeutig Stellung beziehen, erklärt Kreissprecher Martin Theine: Beim Umweltamt habe man keinen schriftlichen Vorgang zu diesem Fall gefunden. Es könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass telefonisch Kontakt mit Kollegen aufgenommen wurde, die gerade im Urlaub seien.

Man habe aber nun Kontakt mit Fehlhaber aufgenommen – wegen der Kurzfristigkeit telefonisch. Der Landwirt hat nach Aussagen von Theine eingeräumt, dass der Hähnchenmist dort seit längerer Zeit liege – aber noch kein halbes Jahr.

Mitarbeiter des Umweltamtes würden jetzt kurzfristig kontrollieren, ob der Haufen – wie in dem Telefonat angegeben – inzwischen abgedeckt ist. Und: Fehlhaber sei nochmals nachdrücklich auf die Rechtslage hingewiesen worden.

Von Karsten Tenbrink

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