Gemeinde kauft ein Teilstück der ehemaligen Bahnstrecke Uelzen-Dannenberg

Mit Blick auf die A39: Acht Hektar für Oetzens Zukunft

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Die entwidmete Bahnstrecke zwischen Uelzen und Dannenberg ist an vielen Stellen zugewuchert, wie hier am ehemaligen Bahnhof in Oetzen.

Oetzen. Auf den ersten Blick ist es eine Entscheidung, die nur die Gemeinde Oetzen betrifft. Doch sie hätte weitreichende Folgen, wenn die Autobahn 39 gebaut wird.

Doch sie hätte weitreichende Folgen, wenn die Autobahn 39 gebaut wird: Der Oetzener Rat hat jetzt beschlossen, ein Teilstück der 1996 stillgelegten und 2013 entwidmeten Bahnstrecke zwischen Uelzen und Dannenberg von der Deutschen Bahn zu kaufen.

Das bietet der Gemeinde die Chance, die Flächen im Rahmen der Flurbereinigung neu zu ordnen. Auch die A 39 würde von dem Kauf profitieren. Bislang müssten überall dort, wo die Trasse die Bahnstrecke queren würde, Brücken gebaut werden. Mit dem jetzigen Ratsbeschluss ist das nicht mehr erforderlich. Rosches Samtgemeindebürgermeister Herbert Rätzmann meinte denn auch: „Das erleichtert den Bau der A 39.“

Etwa 4,3 Kilometer ist der ins Auge gefasste Abschnitt der Bahnstrecke auf Oetzener Gebiet lang, der Kaufpreis beträgt rund 57 000 Euro. Die acht Hektar große Fläche besteht aus 15 Flurstücken mit Gleisen. Diese sind an vielen Stellen zugewuchert, die alten Holzschwellen sind marode.

Nicht nur zur Flurbereinigung, sondern auch für den Naturschutz will die Gemeinde dieses Areal nutzen. Dort könnten Ausgleichsflächen für Baumaßnahmen geschaffen werden. Zudem besteht für Landwirte nun die Möglichkeit, Teilstücke zu kaufen, die zwischen ihren Feldern liegen. Ebenso könnte sich ein örtlicher Gewerbetrieb über die Bahnstrecke hinaus erweitern. „Der entscheidende Punkt ist, dass wir als Gemeinde künftig planerisch die Hand darauf haben“, erklärte Rätzmann. Die Ausweisung der Flächen als Baugebiet schließt Oetzens Bürgermeister Bernd Burmester (CDU) dagegen aus. „Das gibt der Verlauf der Strecke überhaupt nicht her“, sagte er.

Acht Ratsmitglieder stimmten für den Kauf, der demnächst notariell besiegelt werden soll. Nur Heinrich Büsch (WGO) war dagegen. „Ich habe damit ein unwohles Gefühl. Das ist ein Knebelvertrag“, meinte er mit Blick auf die Forderungen der Bahn. Denn sollte die Gemeinde mit den Flächen Spekulation betreiben, müsste sie die Hälfte der erzielten Mehrerlöse mit der Bahn teilen. Das gilt für einen Zeitraum von zehn Jahren bei Wertsteigerungen, etwa durch Umwandlung der Flächen in Baugebiete, und von 15 Jahren bei Verkäufen. Dagegen verteidigte CDU-Fraktionschef Detlev von Scheve den Kauf: „Das ist die richtige Investition zur richtigen Zeit. Und wir behalten damit die Oberhand.“

Am Montag, 30. Mai, diskutiert auch der Rat der Gemeinde Stoetze über den Kauf eines anderen Teilstücks der Bahnstrecke. Die Sitzung beginnt um 20 Uhr in Brammers Gasthaus in Boecke.

Von Bernd Schossadowski

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