Ein Jahr nach der Eröffnung sind bereits 30 Urnengräber auf dem Waldfriedhof in Teyendorf verkauft

Begehrte Ruhestätte unter Bäumen

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Auch die 19-jährige Oldenstädterin Melanie Roskosch genießt die Ruhe auf dem Teyendorfer Waldfriedhof. Dort sind die Bäume mit Nummern markiert. An einigen von ihnen befinden sich auch kleine Schilder mit den Namen und Lebensdaten der Verstorbenen.

Teyendorf. Himmlische Ruhe liegt über dem Waldstück am Rand von Teyendorf. Nur Vogelgezwitscher und das Rauschen des Windes sind zu hören. In diesem idyllischen Fleckchen Natur, gesäumt von Buchen und Eichen, hat die Samtgemeinde Rosche vor einem Jahr ihren Waldfriedhof eingerichtet.

Das neue Angebot wird gut angenommen. „Wir haben schon 30 Grabstellen verkauft, 25 davon sind belegt. Das hätte ich nicht erwartet“, bilanziert Rolf Musik, allgemeiner Vertreter des Samtgemeindebürgermeisters. Insgesamt biete die Fläche etwa 800 Grabstellen.

Die Möglichkeit, seine letzte Ruhestätte unter Bäumen zu finden anstatt auf einem gewöhnlichen Friedhof, stößt bei den Bürgern offenbar auf immer mehr Anklang. Die Vorgaben für den Teyendorfer Waldfriedhof – etwa 500 Meter östlich des Ortes gelegen – sind einfach, die Bestattungsform ist bewusst schlicht gehalten: Beigesetzt werden ausnahmslos biologisch abbaubare Urnen mit der Asche der Verstorbenen, und zwar im Wurzelbereich der registrierten Bäume. An diesen sind kleine Nummern angebracht, auf Wunsch auch Schilder mit den Namen und Lebensdaten der Verstorbenen. Grabmale, Gedenksteine, Kränze, Kerzen oder Lampen dürfen dagegen nicht aufgestellt werden. Die Beisetzung gestalten die Angehörigen in Abstimmung mit der Samtgemeinde.

„Die Zahl der klassischen Bestattungen auf Friedhöfen geht immer mehr zurück, weil man den Hinterbliebenen die Grabpflege über 25 Jahre nicht zumuten möchte“, erklärt Musik.

Für viele spiele auch eine Rolle, dass sie sich auf dem Waldfriedhof schon zu Lebzeiten einen persönlichen Baum aussuchen können. Unter jedem von ihnen sind bis zu zehn Bestattungen möglich, etwa für Familienangehörige oder andere schriftlich benannte Personen. Das Nutzungsrecht beträgt 20 Jahre, danach kann die Grabstelle erneut erworben werden.

Allerdings ist diese Form der Beisetzung etwas teurer als auf den Friedhöfen der Samtgemeinde Rosche. Dort kostet die Urne in einem Reihengrab 300 Euro. Auf dem Waldfriedhof schlägt die Bestattung unter einem Gemeinschaftsbaum dagegen mit 600 Euro je Grabstelle zu Buche. Ein Baum speziell für Familienangehörige oder Freunde – mit maximal zehn Grabstellen – kostet insgesamt 4000 Euro.

„Es besteht zunehmend der Wunsch nach Bestattungsformen, die pflegeleicht sind“, hat auch Rosches Pastor Uwe Mestmäcker festgestellt. Immer seltener lebten die Hinterbliebenen im selben Ort wie die Verstorbenen und könnten sich regelmäßig um die Grabpflege kümmern. Dieser Aufwand falle mit der Beisetzung unter Bäumen weg. Doch dieses Ritual sieht Mestmäcker auch kritisch. „Damit geht ein ganzes Stück unserer Friedhofskultur verloren“, meint er. Außerdem sei es für Angehörige, die auf den Rollator angewiesen sind, nicht leicht, einen Waldfriedhof zu besuchen.

Von Bernd Schossadowski

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