„B4 aus dem Rennen

Die Vorzugsvariante (rot) ist gut im Rennen.

Von Holger BodenWittingen. Die A39 ist nach wie vor das liebste Spekulationsobjekt einer ganzen Region – umso mehr, als seit Monaten keine handfesten Neuigkeiten zu dem Großprojekt zu vermelden sind. Da wurden die Nachrichten, die Ulrich Kegel dem Wittinger Bauausschuss am Dienstagabend mitgebracht hatte, von den Anwesenden im großen Saal des Rathauses eingesogen wie Sauerstoff: Nach seiner Kenntnis werde sich an der Linienführung der A39 "nichts Gravierendes mehr tun", sagte der Erste Verbandsrat des Zweckverbands Großraum Braunschweig im Rahmen einer Diskussion über das Regionale Raumordnungsprogramm.

Nun gehört Kegel nicht zur Riege der Lüneburger Autobahn-Vorbereiter, doch als hochrangiger Regionalplaner aus der Welfenstadt ist Kegel keiner der ganz schlecht Informierten. Seine Aussage im Ausschuss, so sie sich denn bewahrheitet, heißt also soviel wie: Die Region und damit auch die Stadt Wittingen können sich so langsam tatsächlich auf die Vorzugsvariante einstellen, die letztes Jahr als von den Planern favorisierte Trasse präsentiert worden war, aber bislang noch keineswegs beschlossene Sache ist. Ein Verlauf der Autobahn auf der heutigen B4 ist nach Kegels Informationen "aus dem Rennen".

Überraschend kommt das freilich nicht. Es würde bedeuten, dass Orte wie Ehra-Lessien, Knesebeck, Eutzen, Glüsingen, Wollerstorf und Gannerwinkel sich nun in der Tat darauf einstellen können/müssen, zu Autobahn-Anrainern zu werden.

Möglich, dass ein oder zwei Wochen nach Ostern noch größere Klarheit herrschen wird: Noch im April soll nach IK-Informationen der Erörterungstermin zum A39-Raumordnungsverfahren stattfinden. Genauere Informationen hierzu waren von der Lüneburger Regierungsvertretung nicht zu bekommen.

Für Wittingen bedeutet der Stand der Dinge, dass es wohl tatsächlich eine Anschlussstelle in Hafennähe geben wird. Die Umgehungsdiskussion dürfte damit noch mehr Fahrt aufnehmen – will man doch vermeiden, dass nach Fertigstellung der Autobahn die prognostizierten 13000 Fahrzeuge von West nach Ost auf der B244 durch Glüsingen und Wittingen rollen. Derzeit sind es knapp 5800.

Doch wie realistisch sind die Hoffnungen auf eine Umgehung? "Für eine Bundesstraße liegt die Prognose für die B244 eher im unteren bis mittleren Bereich", sagt Dr. Holger Manthey, Leiter des Bereichs Landesentwicklung und Raumordnung in Lüneburg. 13000 Fahrzeuge seien im Vergleich mit anderen Orten "nicht sehr viel", so der Verkehrsexperte. Von den Zahlen her seien die Chancen für eine Umgehungsstraße mithin recht gering; man müsse natürlich "abwarten, wie die Zahlen sich tatsächlich entwickeln".

Sind also die Wittinger Vorplanungen für eine Trasse – 5000 Euro stehen dafür im Haushalt – am Ende vergebliche Liebesmüh? Entscheiden wird das die große Politik, denn die muss die (Bundes-)Straße ja auch bezahlen. Für die CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Eva Möllring kommt die Frage nach einer Wittinger Umgehung indes "zu früh": "Wir wissen ja noch nicht einmal, ob wir überhaupt die Autobahn kriegen." Sich frühzeitig Gedanken zu machen, könne nicht schaden, aber: "Im Moment sind das alles Planspiele." Ihr SPD-Parlamentskollege Hubertus Heil war für eine Einschätzung nicht erreichbar.

Unabhängig von den Aussichten hat der Wittinger Politiker Friedrich O. Winkelmann (FWG) jetzt die Einberufung einer Regionalkonferenz gefordert, um den Weg für Ortsumgehungen für Wittingen und Hankensbüttel zu bereiten. Auch die Kreis- und die Landespolitik sei dabei einzubinden. Winkelmann sieht sich heute darin bestätigt, schon im Dezember 1989 die Forderung nach einer Wittinger Südumgehung erhoben zu haben.

Die Prognose für die B244 bezieht laut Manthey übrigens ein, dass ein Teil des Ost-West-Verkehrs über die B190n abfließt – die noch zu bauende Querspange zwischen Breitenhees und Bodenteich. Dieser Abschnitt allerdings ist zwar planerisch Teil des A39-Pakets, seine Finanzierung ist jedoch noch keineswegs abgesichert: Im Bundesverkehrswegeplan genießt das Teilstück bisher keine Priorität.

Erschienen: 09.03.2007: IK / TZ 58 / Seite:3

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