Nicht vergessen!

Hängen sie bei Ihnen auch zuhause? Die kleinen Zettel, auf denen man notiert, was nicht in Vergessenheit geraten soll? Bei mir an vielen Stellen: an der Pinnwand, mit dem Magneten am Kühlschrank oder als farbige Haftnotiz dort, wo ich garantiert hinschaue.

 „Nicht vergessen!“ ist ihre Botschaft. Die habe ich offensichtlich nötig. Schon vor Jahren wunderte sich meine kleine Tochter: „Papa, du hast wohl Altersheimer.“

Nicht vergessen! Der Bibelvers für diese Woche nimmt das Stichwort auf: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat.(Psalm 103,2) Nicht vergessen, das Gute, das ich erlebt habe! Nicht vergessen, den Dank an Gott, der es mir geschenkt hat.

Warum das wichtig ist, erzählt das Sonntagsevangelium: Zehn Menschen sind an Aussatz erkrankt. Als sie Jesus begegnen, werden sie auf wunderbare Weise geheilt. Das Leben steht ihnen wieder offen. Aber nur einer vergisst über seinem Glück nicht, Gott zu loben. Er kehrt um und dankt Jesus. „ Steh auf, du kannst gehen,“ sagt der ihm. „Dein Glaube hat dich gerettet.“ Dankbar zu sein ist nicht nur eine Frage des Anstands. Es ist eine überaus gesunde Lebenseinstellung. Sie freut nicht nur den Empfänger des Dankes. Sie richtet uns selber auf aus Gleichgültigkeit und Selbstbezogenheit. Sie bringt uns auf die Beine. Sie ist eine Quelle der Freude und ein Weg zu einem „heilen“, erfülltem Leben.

Dietrich Bonhoeffer schreibt dazu: „Im normalen Leben wird es einem oft gar nicht bewusst, daß der Mensch überhaupt unendlich viel mehr empfängt als er gibt, und dass Dankbarkeit das Leben erst reich macht. Man überschätzt wohl leicht das eigene Wirken und Tun in seiner Wichtigkeit gegenüber dem, was man durch andere geworden ist.“

Reinhard Klingbeil ist Pastor des Kirchenkreises Uelzen.

Reinhard Klingbeil

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