Nazitied in Bämsen

In de AZ hebbt wie leest dat nu de Bämser Rat dat vör richtig holt, de Nazitied natoforschen. Meistens ward dat von Lüüd makt, de de Tied sülmst nich erleewt hebbt. De möt schrieben wat se von annern läst oder hört hebbt und wat nu Allgemeingut is.

De Tiedtügen, de domlas sülmst dorbi wärn, wagt oft dat nich to schrieben, wie dat domals wirklich wär, weil se Angst hebbt, glieks as Nazies henstellt to warn. Wenn de Tiedtügen dat aber ehrlich schriewt, wie dat domals wär, ward dat kum veröffentlicht, weil jüm dat hüt nich passt.

Ik frag mik, wie kann dat angahn, wärn de Lüüd in Bämsen domals alle dumm? Bi de Reichstagswahl am 29. März 1936, har’n von 1947 Wählern in de Stadt Bämsen 99% de NS Partei wählt. 19 Stimmen aber, de wär’n ungültig.

Ick har dat domals hört, dat door jemand eenen Bibelspruch uppschreeben har.

In Kreisarchiv in Uelzen heff ick naforscht und een Schrieben funden, de de Bürgemeister Möller an Kreis schreeben hett. De Breef stammt von 31. März 1936.

He schrifft doorin: „Um mich keiner Wahlfälschung schuldig zu machen, teile ich folgendes mit. Bei der Wahl wurden zwei Stimmzettel abgegeben mit einen Bibelvers, dessen Wortlaut zweifellos Angriffe gegen den Staat und dem Führer enthalten....“ Dat hett domals ook nich rutkommen, wer dat west is, so geheim wärn de Wahlen doch. Hüt ward behaupt, de wärn nich geheim. Up dan Zettel stünd de Spruch, dat hefft de Wahlhelfer domals doch vertellt: „Jesaja 41 Vers 24“

All de dat wüssen, hefft ehr Bibel domals ruthalt und naläst.

Door steiht: „Siehe, ihr seid nichts, und euer Thun ist auch nichts; und euch zu wählen ist ein Greuel.“

Frag mik ok, wie kann’t angahn, dat 1937 etwa 1,2 Millionen ton Erntedankfest na Bückeburg reist hebbt? Worüm hebbt de nich wüsst, wat de Historiker hüt alle weet.

Natürlich möt de Verbrechen und schlimmen Dinge de domals passiert sind upklärt warn, ok bi uns! Dor sind doch Dinge passiert, von de wie domals öwerhaupt keen Ahnung harn.

Ik heff Hermann Meyer von de Schooltied her kennt. Wie ik von 1966 bet 1972 Samtgemeindebürgermeister wär, wär Herrmann Meyer Bürgermeister in Bämsen.

Wenn de Lüüd wüssen, wat Hermann Meyer alles Goode vör de Stadt makt hett, sölln se dankbor wäsen. He hett nie verschweegen, dat he bi de SS west is. Allen wär dat bekannt und doch kreeg he de meisten Stimmen.

Nu mutt ick mik öwerleggen wat ik mak. Üm de Gemeinde Geld to sporn, dormit se nich düre Forschungen anstelln doht, weil ik Samtgemeindebürgermeister in Bämsen wär, gäw ik hier bekannt: „Ik heff von 1936 bet 1940, wie alle miene Klassenkameraden domals in „Jungvolk“ west. Segg free ut, uns hett dat domals Spaß makt. Von 1940 bet ik ton Arbeitsdienst introcken wör, wär ik wie ok alle miene Klassenkameraden in de Hitlerjugend. Einige von de, weil se öwer 1,80 Meter grood wärn, kömen to de SS, ohne dat se sik freewillig meld hebbt,.

Bliwt de eene Frag, ob ik, weil ik wie alle domals in Jungvolk oder de Hitlerjugend wär, hüt öwerhaupt in düsse Generation noch plattdütsche Kolumnen schrieben dörf?

Ik meen de Rat von de Stadt söll 70 Johr na de Nazitied, er Geld utgäben vör dat wat jetzt unbedingt nödig is. Hoff, dat denn in Johr 2082 keener naforschen mutt, ob se dat hüt ok richtig makt hebbt.

Carl Friedrich Bautsch ist gebürtiger Groß Hesebecker und schreibt als Heimat- dichter über Land und Leute der hiesigen Region. Die AZ-Kolumne „Dütt un Datt up Platt“ finden Sie auch im Internet unter az- online.de/ kolumnen.

Von Carl Friedrich Bautsch

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