Dütt un datt up Platt

Mien Aquarium

Carl Friedrich Bautsch

Öwer 66 Johr is dat nu al her, dat de Krieg vörbi is. Wärn domals schwoore Tieden. Mit all de Flüchlinge und de „Landsers,“ wie man to de Soldaten sä, wärn de Hüser vuller Lüüd.

Wie aber freuen uns, dat wie keen Fliegrearm und keene Angst vör Bomben mehr har’n. De eerste Wihnacht, wo wirklich wedder Freeden wär. Gäw Läbensmittelkorten, Melkkorten, Botterkorten, Brootkorten, Eierkorten, Kleederkorten. Upp’n Land har man je noch wat to Äten. Alle harn Höhner, sülmst de Flüchlinge. De Hamborger, „Hamsterer“ heeten de, kömen in Massen to uns, tuschen; twee Eier, een Hering. Jeder kreeg een Tabakkort, ook de Oma, de gornich schmöken dä. Natürlich wör vör Wihnachten schlacht. Doorto möß man een Schlachtschien von’ Bürgermeister hal‘n und denn wör dat Schwien waagen. Eerst denn dörf man schlachten. Wenn denn dat Schwien dree Zentner wög, wunner sick de Trichinenkieker, wenn nur twee Zentner up’n Schien stünd. Blos he könn dat nich kapiern, dat manche Schwien sogoor twee Köpp har’n und 8 Been. Je, sünne Mißgeburten gäw dat domals öfters, heemlich wör noch een doorto schlacht. Gäw Tuschbörsen, wo man Woor gegen Woor tuschen könn. Kochtopf gegen Kinderbett, Strickjacke gegen Unterhemd, gebrauchte Schuhe Größe 41, gegen Größe 45, Wassereimer gegen Holzpantoffel usw. Alles könn man tuschen. Ik har eenen besonderen Wunsch. Von mien 10. Lebensjohr an har ik een Aquarium. De Engländer, de uns Huus besett harn, hebbt uns Schränk apenbraken und mitnommen wat se bruuken können. Mien Fisch samt Aquarium harn se in Bääk schmetten. De Fisch krägen ehr Freiheit, dat Aquarium aber wär twei. Mien lütt Schwester har een elektrischen Poppenherd, dat se nich mehr bruk. Ik heff ehr dat affschnackt und bin na Uelzen in de „Tauschzentrale“ föhrt. Dat Aquarium har dan Wert von de Poppenherd. Vörsichtig heff ik dat in Rucksack stäken und bin mit’n Rad na Huus föhrt. Kott vörn Huus hett sik een Twieg in de Speeken von Rad verheddert und pardautz leeg ik up de Erd. „Glück und Glas, wie leicht bricht das.“ Mien ganze Wihnachtsfreude wär dorhen. De Soldatentied har ik good öwerstahn, aber nu, dütt wer toveel. Mik löpen de blanken Tranen öwer de Backen. Man good dat dat düster wär und keener sehn könn. Wat har ik mik blos freut up dat Aquarium. Vör mik wär Düttjohr Wihnachten vörbi. Alle wolln mik trösten, aber dat können se nich. Wihnachten Abend na de Keerk, wör eerstmal fix äten. Heiligabend, heet ok „Vullbuuksabend.“ Mit de Landsers und uns Deerns säten door woll 14 Mann an Disch. As wie denn na’n Äten in de Stuuw güngen, de Danenboom brenn, heff ik mien Ogen nich troot, door stünd wohrhaftig een Aquarium ünnern Dannenboom. Ik könn vör Freude nix seggen. Uns Vaader har mien Malheur in Kroog vertellt. Do meen en Buur, „sün Glaskasten heff ik in Keller, door liegt Nagels in, dan kannst du kriegen.“ Keener hett dat verrad, so wär Wihnachten 1945 dat schönste Wihnachten. Bet hüt heff ik noch een Aquarium in de Stuuw stahn. Heff also seit de Tied, wenn man dat richtig utleggt, een „Farbfernsehn“ in de Stuuw, dat keen krach makt, keene Reklame zeigt, ok as Luftbefeuchter vör een goode Klima sorgt und jedes Johr Wihnachten denk an dat Malheur von 1945.

Carl Friedrich Bautsch ist gebürtiger Groß Hesebecker und schreibt als Heimat- dichter über Land und Leute der hiesigen Region.

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