Meine Woche in

Hält der Euro?

Jörg Hillmer

Hält der Euro? – Diese Frage haben mir viele Bürger in den letzten Wochen gestellt. Bis zur Präsidentenwahl in Frankreich habe ich sicher mit „Ja“ geantwortet.

Wenn der vom linken Kandidaten Hollande geforderte und vom französischen Wähler gewollte Kurs, Schulden mit schuldenfinanzierten Ausgabeprogrammen zu bekämpfen, wirklich umgesetzt wird, marschiert Frankreich in die Liga der mediterranen Staaten, die irgendwann Hilfe brauchen. Das zweitgrößte Land der Eurozone darf als Zugpferd nicht ausfallen. Wenn die Franzosen darüber hinaus nur noch bis 60 arbeiten wollen, können sie nicht erwarten, von den bis 67 arbeitenden Deutschen mitversorgt zu werden. Diese Form von sozialer Gerechtigkeit in Europa funktioniert nicht. Es ist gut, dass SPD und Grüne sich mit ihrer Forderung nach Eurobonds nicht durchsetzen konnten. 17 Länder würden gemeinsam Schulden aufnehmen und 16 davon glauben, dass Deutschland sie zurückzahlen wird. Die bösen Spekulanten, die sich zurückhalten bei der Vergabe von Krediten, sind häufig auch nur besorgte Sparer, die Angst um die Rückzahlungsfähigkeit bestimmter Staaten haben und ihr Geld nur noch mit Zitterprämie in deren Hände geben. Deutschland genießt das Vertrauen vieler Sparer und bekommt das Geld ohne Risikoaufschlag. Ein Zinsaufschlag von nur zwei Prozent durch gemeinsame Eurobonds würde schon für das Land Niedersachsen jährliche Mehrausgaben von 1,2 Milliarden Euro ausmachen. Das sind fünf Prozent des Landeshaushaltes und entsprächen 20 000 unserer 70 000 Lehrerstellen oder 60 Prozent des Sozialhaushaltes. Also nicht leichtfertig Eurobonds oder Ähnliches fordern.

Die Lösung für Europa und den Euro kann nicht mehr Schulden sein. Ich erwarte von den anderen Euroländern genau die Anstrengungen, die Deutschland seinen Bürgern auch zugemutet hat. Der gesamte Kontinent ist durch andere Staaten in Asien herausgefordert. Deutschland hat den Wettbewerb aufgenommen und arbeitet für seinen Wohlstand in der Spitze der Weltliga. Wenn Nachbarländer mit der zweiten Liga zufrieden sind, hält ein Währungsraum diese Spannung auf Dauer nicht aus.

Von Jörg Hillmer

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