Mehr Mut zu kreativen Ideen

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Bernd Schossadowski

Es hätte alles so schön sein können: Nach dem Ende des Kreisvolkshochschul-Kursus „Strümpfe stricken – leicht gemacht“ wären die Teilnehmer ins Erdgeschoss des alten Uelzener Rathauses geschlendert, hätten dort am Kaffeeautomaten in der Ecke des Raumes die Taste „Cappuccino“ gedrückt und es sich bei einer frisch gebrühten Tasse so richtig gut gehen lassen.

Von Bernd Schossadowski. Durch lümmelnde Jugendliche wären die Kursteilnehmer dabei nicht gestört worden, denn der Raum hätte ja nur von Nutzern der KVHS betreten werden dürfen. Wer jetzt an Realsatire denkt, hat nur bedingt Recht. Natürlich ist dieses Szenario etwas überzeichnet, doch gab es in der Uelzener Kreispolitik durchaus Stimmen, die sich einen Kaffeeautomaten für das Alte Rathaus gewünscht haben – und nicht eine attraktive Gastronomie, die das denkmalgeschützte Gebäude aufwertet und damit das Zentrum der Uhlenköperstadt bereichert. Umso erfreulicher ist es, dass Stadt, Landkreis und das Haus der Lebenshilfe jetzt offenbar eine tragfähige und vor allem ansprechende Lösung für die Nutzung des künftigen KVHS-Domizils gefunden haben. Ein Café-Salon mit Speisen-Angebot und hochwertiger Einrichtung soll es 2012 werden – eine Mischung aus „Starbucks“ im Kleinformat und Wiener Kaffeehaus. Dieser Kompromiss trägt den Interessen aller Beteiligten Rechnung: Der Landkreis muss keine wirtschaftlichen Risiken eingehen, weil es die Stadt sein wird, die das Café an die Lebenshilfe verpachtet. Die Uelzener können sich auf einen Anziehungspunkt in attraktivem Ambiente mitten in der Stadt freuen. Und der Lebenshilfe bietet sich die Möglichkeit, Menschen mit Behinderungen in dem Café zu beschäftigen und ihnen eine neue Berufs- und Lebensperspektive zu vermitteln. Vielleicht lässt sich dazu noch eine Außengastronomie einrichten – als Anknüpfung und Ergänzung der benachbarten Fußgängerzone. Die jetzt gefundene Lösung für das Alte Rathaus zeigt, dass es sich in Uelzen durchaus lohnt, neue Ideen weiterzuspinnen und nicht sofort in den alten Reflex zu verfallen, sich auf Minimallösungen zu beschränken, weil diese am wenigsten Arbeit machen und den Status Quo nur unwesentlich verändern. Diese Beharrlich-keit sollte auch für andere – politische – Projekte in Uelzen beispielgebend sein. Mehr Mut zu Kreativität, zu ungewöhnlichem Vorgehen und einfach mal über den eigenen Schatten springen zum Wohl der Stadt Uelzen – das muss das Gebot für die Zukunft sein. bernd.schossadowski@cbeckers.de

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