„Lüder wird eingekesselt!"

Lüder - Von Claus Rosenau. "Jetzt zu schreien, ist zwei Jahre zu spät", beklagte ein Lüderaner bei der gut besuchten Informationsveranstaltung der Gemeinde Lüder zur Autobahn 39 im Schützenhaus ein spätes Aufwachen der Politik.

Schon bei der Antragskonferenz, so seine Ansicht, hätte die besondere Schutzwürdigkeit der Bodenteicher Seewiesen zur Sprache gebracht werden müssen. Gemeindedirektor Rainer Kölling gab sich zerknirscht: "Wir sind es den Bürgern schuldig zu hinterfragen, warum es nicht zur Osttrasse gekommen ist." Damit gemeint ist gegenüber der Vorzugstrasse eine an der ehemaligen innerdeutschen Grenze entlangführende Untervariante. Man habe sich einen Verlauf durch die Seewiesen "nie vorstellen können". "Wir glauben, dass die Schutzgutbetrachtung Mensch bei uns zu kurz gekommen ist", sagte Kölling nicht nur mit Blick auf Neu-Lüder, das von der Autobahn durchschnitten würde. Der Gemeindedirektor, in Personalunion Bodenteicher Samtgemeindebürgermeister, will vor allem geklärt wissen, "welche Entlastungswirkung die A 39 für den Ortskernbereich Bad Bodenteich hat". "Mit einiger Überraschung" habe man festgestellt, dass die Querspange B 190n zwar bis zur Bundesstraße 4 geplant werde, aber dass sich das letzte Teilstück ab Bad Bodenteich nicht im Bundesverkehrswegeplan finde. Der Querverkehr zur B 4 würde sich also möglicherweise seinen Weg über die Landesstraße bahnen – durch den Kurort und Reinstorf nach Westen. Der Flecken Bodenteich hat einen Planungsauftrag an ein Ingenieurbüro vergeben, um die Auswirkungen abschätzen zu lassen, in 14 Tagen sollen die Ergebnisse vorliegen. In Lüder herrschte Einigkeit, dass die vorgeschlagene Trasse nicht die beste aller möglichen sein kann, weshalb Bürgermeister Eberhard Siemeke zu Einwendungen aufrief. "Lüder wird eingekesselt", wurde als Befürchtung etwa geäußert. Das Dorf direkt am Elbe-Seitenkanal werde noch stärker vom Bodenteicher Gebiet abgetrennt. Der Gemeinderat Lüder befasste sich in seiner Sitzung am Dienstagabend mit dem weiteren Vorgehen in dieser Sache. Er arbeitete im nicht öffentlichen Teil die Ergebnisse des Infoabends auf und ließ sie in die Meinungsbildung einfließen. Ein Entwurf für eine Stellungnahme seitens des Gemeinderates liegt bereits vor und wird nun aktualisiert. Mit einem Ratsbeschluss rechnet man in Lüder für etwa Mitte Juni. Erschienen: 18.05.2006: AZ / 115 / Seite:8

Kommentare