Die Landratswahl als Lackmustest

Es war zuletzt abzusehen: Zur diesjährigen Landratswahl wird es mindestens vier Kandidaten geben. Absprachen zwischen CDU und FDP einerseits beziehungsweise SPD und Grünen auf der anderen Seite sind gescheitert.

Von Marc Rath - Es sind respektable Kandidaten, die sich da am 11. September um die Nachfolge von Landrat Theodor Elster bewerben. Und es wird gleich mehrfach spannend. Dafür sorgt neben der Qualität dieser Bewerber das veränderte Wahlrecht ohne Stichwahl. Es geht in der ersten Runde bereits um den Sieg, für den bei diesem Bewerberfeld wohl schon 33 Prozent „plus x“ ausreichen dürften. Diese Landratswahl beschert dem Landkreis in jedem Fall eine Führungskraft der neuen Generation. Bei Christdemokrat Heiko Blume trifft dies auf sein Alter, aber auch auf seine Ansage frei nach Gerhard Schröder zu, nicht alles anders, aber manches besser machen zu wollen. Freidemokrat Rainer Fabel ist alles andere als unbekannt auf dem öffentlichen Terrain, aber in der Politik ein klassischer Seiteneinsteiger, der zumindest in seiner Partei schon zum Shootingstar wurde. Raimund Nowak und Jürgen Krumböhmer bringen die Sicht und ihre Erfahrungen „von außen“ in den kommenden Wahlkampf ein. Das ist eine Mischung, der man nur eines wünschen kann: Die Duelle dieses Kleeblatts mögen ein Vorbote eines neuen Politikstils werden, der gerade nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres – bundesweit, aber sehr wohl auch hier im Landkreis – in vielen Beiträgen zum neuen Jahr jetzt beschworen wird: Eine frühzeitige und engere Beteiligung der Bürger, mehr Offenheit, neue Formen bei der Entwicklung und Durchsetzung von Ideen in der Kommunalpolitik (und darüber hinaus) werden jetzt vielfach propagiert. Und sie sind auch dringend notwendig. Der Landratswahlkampf ist ein Lackmustest dafür. Alle Kandidaten müssen bekannter werden – und sie wollen überzeugen. Inhalte und Formen werden dabei entscheidend sein. Das Ergebnis der Kommunalwahl im September dürfte ohnehin aufzeigen, ob sich die Parteien in der Kommunalpolitik auf ihren Herbst einstellen müssen und sich weiter auf dem absteigenden Ast bewegen, oder ob es für sie noch einmal für eine frühlingshaften Blüte reicht. In vielen Fällen wird eine neue Generation antreten. Zugleich zeichnet sich ab, dass sich mehr Wählergemeinschaften bilden. Das ist keine schlechte Mischung für die zahlreichen Veränderungen, die in der nächsten Wahlperiode anstehen werden.

marc.rath@cbeckers.de

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