Ortsumgehung Kirchweyhe soll mit viel Überzeugungsarbeit doch noch durchgesetzt werden

„Kleines Projekt mit großem Effekt“

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Mehr als 8000 Lastwagen quälen sich täglich über die Ortsdurchfahrt Kirchweyhe im Zuge der Bundesstraße 4.

Uelzen. Der Infrastrukturplan für die Jahre 2011 bis 2015 ist noch keine 24 Stunden öffentlich bekannt, da bekommt Kirsten Lühmann schon Besuch von Mitgliedern der Bürgerinitiative Kirchweyhe.

Die Chancen für die Lärm geplagten Anwohner der Bundesstraße 4 auf eine Umgehung für ihre Ortschaft seien gestiegen, hieß es vergangene Woche in ersten Stellungnahmen unter anderem von Politikern – die Kirchweyher wollen vom Mitglied des Bundes-Verkehrsausschusses wissen, ob das stimmt.

So gerne Kirsten Lühmann diese Zuversicht teilen würde – sie kann es nicht. „Denn die Realität sieht anders aus“, sagte sie gestern im Gespräch mit der AZ in Berlin. Keinen Cent habe das Land Niedersachsen für neue Baumaßnahmen bis 2015 übrig – wenn es nicht andere Projekte strecke, wie jüngst geschehen beim 2. Bauabschnitt für die Celler Ortsumgehung. 51 Millionen Euro sollen da jetzt allein für den dritten Bauabschnitt fließen, vier weitere Abschnitte werden folgen.

Die Umgehung Kirchweyhe ist da mit einem Gesamtvolumen von 6,8 Millionen Euro ein ungleich bescheideneres Vorhaben – und das zweitkleinste der 22 Neubauprojekte, die auf der niedersächsischen Wunschliste stehen. Und das könne eine Chance für den Uelzener Ortsteil sein, betont die Bundestagsabgeordnete: „Ein relativ kleines Projekt, mit dem aber ein großes Effekt erzielt werden kann“ – schließlich wären schlagartig 8000 Lastwagen täglich raus aus dem Dorf.

Diese Argumente müsse man jetzt sachlich und konzentriert im niedersächsischen Wirtschaftsministerium vortragen, so Lühmann: „Wir haben gute Argumente, wir müssen geschlossen auftreten, den Minister von der Notwendigkeit überzeugen. Das ist unsere Chance.“ Allein der gern betonte Umstand, dass die Planfeststellung für Kirchweyhe schon abgeschlossen ist, reicht allerdings kaum – das trifft auf eine geplante Autobahn und zwölf weitere Ortsumgehungen auch zu. Sollte sich das Land aber nicht dazu entschließen, Geld aus anderen Projekt umzuleiten, wäre eine Ortsumgehung für Kirchweyhe in ferne Zukunft verschoben.

Und hat die Autobahn 39 noch eine Lobby im Verkehrsausschuss angesichts von Protesten und einer Raststätten-Diskussion vor Ort? „Wir sprechen in diesem Gremium nicht über Projekte, das ist Sache der Länder“, betont Kirsten Lühmann. Fakt sei aber, dass die A 39 Kostensteigerungen unter anderem wegen Naturschutzmaßnahmen verkraften müsse. Und die Tatsache, dass nicht, wie ursprünglich geplant, von Norden und Süden der Baubeginn gleichzeitig starten soll, sondern derzeit nur aus Richtung Süden (Wolfsburg), sei der fehlenden Finanzmittel geschuldet.

Derzeit werde eine neue Kosten-Nutzen-Analyse ausgearbeitet „und wenn dieses Ergebnis vorliegt, dann ist entscheidend, ob das Projekt in der Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplanes im Jahr 2015 im vordringlichen Bedarf ist“. Wenn ja, erfolge der erste Spatenstich – „und dann wird auf voller Länge gebaut.“ Schlechter geworden seien die Chancen für den Bau der Autobahn 39 aber nicht durch das jüngste Papier aus dem Verkehrsministerium, so Lühmann

Von Thomas Mitzlaff

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