Kirchturmdenken oder Signal?

Nun gibt es keine Gemeinde oder Samtgemeinde im Landkreis Uelzen mehr, die nicht öffentlich über die Strukturreform diskutiert. Mit dem Vorstoß der Gemeinde Suhlendorf, sich gegen eine Einheitsgemeinde zu stellen, sind nun wohl auch die anderen Gemeinden der Samtgemeinde Rosche an der Reihe, Farbe zu bekennen.

Ob das jedoch Sinn und Zweck der Suhlendorfer war, oder ob nicht doch eher das berühmte Kirchturmdenken überwiegt – wer mag das beurteilen können? Der Bann ist jedenfalls gebrochen und bisher sind die Roscher eben anders vorgegangen und haben intern ihre Möglichkeiten ausdiskutiert, um dann anschließend bei den öffentlichen Sitzungen mit einer Stimme zu sprechen. So sollte es auch mit der Einheitsgemeinde laufen, doch die Suhlendorfer scherten aus. Zu weit oder zu kurz gedacht? Das ist eine schwierige Frage, denn schließlich wollen die Suhlendorfer ja über die Samtgemeindegrenzen hinausblicken und Fusionen mit Bodenteich, Wrestedt und Suderburg anstreben. Natürlich ist es leicht, den Wunsch der Erhalt der Gemeinde als Kirchturmpolitik zu bezeichnen, aber irgendwann wird der Hammer aus Hannover kommen und der ganze Landkreis neu geordnet. Und vielleicht stehen am Ende nur noch die Stadt Uelzen und eine Samtgemeinde im Norden sowie eine im Süden – wer weiß das schon. Und ob es dann auch noch alle Mitgliedsgemeinden geben wird, ist auch noch fraglich. Wie dem auch sei, die Suhlendorfer haben ein Signal ausgesandt und nun müssen die Roscher, Stoetzer, Oetzener und Rätzlinger irgendwie darauf reagieren. Den Vorschlag, die Idee „Einheitsgemeinde“ zwei Wochen vor einer Antwort des Landes jedoch einfach so zunichte zu machen, ist allerdings nicht gerade anständig und solidarisch. Da muss man sich in Suhlendorf wohl schon die ein oder andere Frage und vielleicht auch Spitze gefallen lassen. Denn in einer solchen Arbeitsgruppe sitzen zum größten Teil auch nur ehrenamtliche Politiker, deren Arbeit mit dem Suhlendorfer Beschluss mit Füßen getreten wird. Und das Ehrenamt – das betonen ja nun alle Parteien durch die Bank – soll auch künftig gestärkt und unterstützt werden. joern.nolting@cbeckers.de

Von Jörn Nolting

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