A-14-Bau aus Sicht der Wissenschaft / Diskussionsveranstaltung mit Prof. Dr. Mathias Gather in der Wischelandhalle

Keine blühende Wirtschaft durch Autobahnen

+
Prof. Dr. Matthias Gather beim Vortrag.

Seehausen. Viele Menschen in der hiesigen Region erhoffen sich mit dem Bau der Nordverlängerung der A 14 einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Und erstmalig ist es gelungen sowohl Autobahnbefürworter als auch -gegner bei einer gemeinsamen Diskussionsveranstaltung in der Seehäuser Wischelandhalle zusammenzubringen. Unter dem Motto „Regionale und wirtschaftliche Effekte des Fernstraßenbaues“ hatten die Bürgerinitiative „Ausbau B 189/B5“ um Susanne Bohlander, Bündnis90/Die Grünen Sachsen-Anhalt und der Gesprächskreis „Seehausen links“ um Bernd Kloss eingeladen. Als Referent konnten die Organisatoren den Verkehrswissenschaftler Prof. Dr. Matthias Gather von der Fachhochschule Erfurt gewinnen.

Der zeichnete nicht gerade ein optimistisches Bild von wirtschaftlich blühenden Landschaften durch den Bau von Autobahnen. Untersuchungen an vorhandenen Strecken wie beispielsweise in Thüringen belegen das. Und: „Das Ruhrgebiet hat das dichteste Autobahnnetz Deutschlands und dennoch eine hohe Arbeitslosenquote.“ Gather ist sich auch sicher, dass bei Verkehrsverbindungen zwischen zwei Regionen die stärkere, sprich Ballungszentren, mehr profitieren würden als die schwächeren Regionen. Kein gutes Omen für die ohnehin strukturschwache Altmark.

Dr. Walter Fiedler als A-14-Anhänger meinte in der anschließenden Diskussion, dass die Autobahn zwar keinen Boom an Industriebetrieben bringe, aber wenn sich kleine mittelständische Unternehmen ansiedeln und die vorhandenenen durch den Bau gestärkt werden, „haben wir schon gewonnen“. Und er spricht sich klar für die Umsetzung des gesamten Verkehrskonzeptes aus, das neben der A 14 auch die A 39 und die B 190n beinhaltet. „Wir werden damit wirtschaftliche Ansiedlungen bekommen.“

Genauso sieht es auch Arendsees Bürgermeister Norman Klebe, der von „einer wirtschaftlichen Stabilisierung durch die Autobahn“ redete. Man müsse vernünftig in die Ballungszentren. Auf der Bundesstraße werde man durch den Lkw-Verkehr immer behindert.

Grünen-Landtagsmitglied Dorothea Frederking hingegen sprach sich für einen Ausbau der vorhandenen Bundesstraße aus, wofür sie von einigen Anwesenden höhnisches Gelächter erntete.

Die Meinungen zur A 14 sind zweifelsohne geteilt: Doch wie erfährt man den Bürgerwillen, ob die Strecke gebaut werden soll oder nicht? Der Goldbecker René Schernikau machte einen Vorschlag, der aber nicht mehr realisierbar scheint. Man hätte mit dem Versenden des Materials zu den Kommunalwahlen gleich einen Stimmzettel für oder gegen die Autobahn mitschicken sollen. Dann hätte man den Bürgerwillen erfahren, meint der Altmärker.

Von Thomas Westermann

Mehr zum Thema

Kommentare