Wochenrevue

Kein Privatvergnügen!

Andreas Becker

Das ist schon eine Wahrnehmung der Extreme in diesen olympischen Tagen. Auf der einen Seite bis in die letzte Muskelfaser austrainierte Ruderer, auf der anderen Seite pummelige und dementsprechend konditionsschwache Schwimmer.

Dass die Ruderer Gold holen und die Schwimmer regelmäßig bereits in den Vorläufen badengehen, ist schon folgerichtig und sei an dieser Stelle nur beiläufig erwähnt. Zum Skandal werden die peinlichen Auftritte der Schwimmer auch für viele Bürger im Landkreis Uelzen, wenn sich der geneigte Zuschauer am Fernseher die frechen und provokanten Statements der Schwimmer nach ihren desaströsen Rennen anhören muss: Von „Ich freue mich, mir morgen das Finale anzuschauen“ über „Ich bin überhaupt nicht enttäuscht“ bis hin zu „Mir fehlte wohl die Ausdauer, ich bin es gar nicht gewohnt, zwei Rennen in zwei Tagen zu absolvieren“ reichen die Statements, die an Dummheit und Ignoranz nicht zu überbieten sind.

Denn, werte Schwimmer: Ihre Auftritte bei den Olympischen Spielen in London sind nicht Ihr Privatvergnügen! Zur Erinnerung: 132 Millionen Euro an öffentlichen Steuergeldern fließen jährlich in die Sportförderung. Mit anderen Worten: Bei jedem Wettbewerb der Schwimmer ist der Steuerzahler, sind die öffentlichen Kassen und die Menschen auch in der hiesigen Region, mit von der Partie. Der Steuerzahler ist es, der Aufenthalte in 5-Sterne-Hotels und wochenlange Trainingslager in den schönsten Orten der Welt finanziert. Und genau jener Steuerzahler ist es, der heute um jeden Cent kämpfen muss, um beispielsweise beim Elterngeld staatlich unterstützt zu werden – die AZ-Berichterstattung zu diesem Thema hat es gerade gezeigt. Und genau jener Steuerzahler ist es, der um jeden Cent kämpfen muss, damit seine kulturelle Einrichtung mit Unterstützung von Landes- und Kreiszuschüssen überleben kann. Und genau jener Steuerzahler ist es, der die Energiewende mitfinanziert und nebenbei noch Griechenland, Spanien, Zypern und wie die überschuldeten Staaten noch alle heißen, rettet.

Um nicht falsch verstanden zu werden – das alles hat nichts mit Neid oder Missgunst zu tun. Nein! Es geht um Gerechtigkeit! Um nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wenn der Bürger auf Dauer spürt, dass sich die Koordinaten unseres Rechtsstaates in Richtung Selbstbedienungsladen bewegen, wendet er sich vom Gedanken an das Gemeinwohl angewidert ab. Dann geht in unserer Gesellschaft, in unserem Alltag etwas kaputt.

Schlussfolgerung: Wie in anderen Gesellschaftsschichten muss sich auch im Sport die finanzielle Förderung an der erbrachten Leistung orientieren –große Namen sind dabei Schall und Rauch.

Von Andreas Becker

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