Jugendgewalt – ist München so weit weg?

ThomasMitzlaff

Von Thomas Mitzlaff - An der Achterstraße überfallen Jugendliche am helllichten Tag einen Familienvater, der mit Frau und Kind nur in der Innenstadt etwas essen gehen wollte. Und am Oldenstädter See werden drei junge Leute brutal überfallen, verprügelt. Auch nach einer Woche lag ein Opfer noch im Krankenhaus.

Jugendgruppen terrorisieren immer wieder Uelzen – das ist nicht zu hoch gegriffen angesichts der jüngsten Vorfälle. Mit Abscheu schaut man nach München, wo ein Dominik Brunner sterben musste, weil er helfen wollte. Doch schauen wir wirklich aus der Distanz auf die Brutalität, die in deutschen Großstädten abläuft? Oder hat der jüngste Überfall am Oldenstädter See nicht längst eine ähnliche Qualität? Tritte gegen die Köpfe am Boden liegender Jugendlicher, die zufällig als Opfer ausgesucht wurden, nur aus Lust am Prügeln – ungezügelte Gewalt, die in einer Katastrophe enden kann.

Wer nach 18 Uhr durch die ausgestorbene Uelzener Innenstadt geht, weiß, dass Pöbeleien durch junge Leute längst an der Tagesordnung sind. Doch es gibt noch Unterschiede zur Großstadt: Der Kreis jener Gruppierungen, die meinen, dass sie eine Stadt nach Belieben terrorisieren können, ist überschaubarer. Man kenne seine Klientel zumeist, sagt Uelzens Kripo-Chef Jan-Olaf Albrecht.

Und der Umstand, dass wir in einer Kleinstadt leben, kann eine Chance sein, gewisse Entwicklungen nicht einfach hinzunehmen. Die Polizei ermittelte nach dem Überfall auf Hochtouren, in enger Abstimmung mit Staatsanwaltschaft und Jugendrichterin wurden schnell Konsequenzen gezogen: Haftbefehle für jugendliche Täter, die auch ein Signal sein können für all jene jungen Straftäter, die meinen, nur aus Lust andere verprügeln und misshandeln zu dürfen, ohne dafür Konsequenzen spüren zu müssen.

Natürlich darf auch der Präventionsgedanke nicht vergessen werden und muss vieles anders laufen in manchen Elternhäusern und auch Schulen, um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Doch genauso wichtig ist es, Grenzen aufzuzeigen bei denen, die auf Krawall aus sind. In einer Kleinstadt hat man alle Chancen dazu. Und es müssen alle an einem Strang ziehen.

Oder muss man sich wirklich mit dem Gedanken anfreunden, dass auch bei uns im ländlichen Raum die Zeiten vorbei sind, in denen Jugendliche einfach mal unbeschwert in den Sommerferien an einem See zelten können?

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