Die Wochenrevue von Jörn Nolting

Hier wird eine Grenze überschritten

Es ist ja jedem Menschen freigestellt, seinen Unmut zu äußern. Dafür gibt es ein so genanntes Demonstrationsrecht und von dem sollte auch ruhig Gebrauch gemacht werden. Doch es gibt Grenzen. Bestes Beispiel: der brennende Hähnchenmaststall in Schnega. Denn an wen richtet sich der Protest?

Bestimmt nicht an den Landwirt, der aufgrund seiner wirtschaftlichen Lage eine Möglichkeit sucht, über die Runden zu kommen. Der Protest sollte sich an die höhere Ebene richten. Und das Feindbild der meisten Massentierhaltungs-Gegner dürfte wohl der Schlachthof in Wietze sein. Das soll natürlich keine Aufforderung sein, diesen in Brand zu stecken. Doch die Landwirte in der Umgebung sind das letzte Glied in einer Kette, die eben auch aus Angebot und Nachfrage besteht und dem Konsumverhalten eines jeden Einzelnen. Das bedeutet: Wer billiges Fleisch will, der muss solche Ställe in Kauf nehmen. Wer jedoch bereit ist, mehr Geld für Hühnchen und auch anderes Fleisch zu bezahlen, der greift jetzt schon tiefer in die Tasche. Und der weiß auch, wo es Fleisch von artgerecht gehaltenen Tieren zu kaufen gibt. Leider rückt jedoch ein Thema oft erst in den Fokus der Öffentlichkeit, wenn legale Grenzen überschritten werden. Bestes Beispiel: der Castor-Transport. Wen würde es denn interessieren, wenn einige tausend Demonstranten friedlich vor dem Endlager stehen würden und ihre Plakate hochhalten? Es wird vielleicht registiert, aber es wären vermutlich längst nicht so viele Medienvertreter vor Ort. Illegale Handlungen wie das Festketten oder Schottern der Gleise sind jedoch nicht vergleichbar mit dem Anzünden eines Stalles. Hier wird eine Grenze überschritten und es trifft eben nicht den Verursacher, sondern die Auswirkung der Massentierhaltung. Wer wirklich gegen die Massentierhaltung wirksam protestieren will, der muss bei sich selbst beginnen und möglichst auch sein Umfeld davon überzeugen, nur Fleisch aus artgerechter Haltung zu kaufen. Das wäre dann wohl der wirksamste Schritt.

Kommentare