Gott singt mit

war ich oft in dieser Kirche. Da war es ein Spaziergang am Weserufer entlang. Die Tür ist so niedrig, dass ich fast den Kopf einziehen muss. Dann stehe ich zwischen Säulen, die nicht viel größer sind als ich.

Schmale, schlanke Säulen, oben mit Pflanzenmuster und darüber ein helles Gewölbe. Ungefähr zwanzig Schritte sind es durch die Vorhalle und dann stehe ich in der großen romanischen Kirche. Man tritt aus dem engen Raum in die Weite, aus dem Dunklen ins Licht. Es ist so, als ob man aus dem Alltag mit allem, was man von dort mitbringt, einen Blick in eine andere Welt tut. Eine Welt vollkommener Formen und einem Raum heller, wohltuender Stille. Früher war ich oft hier. Heute bin ich zu Besuch und heute bin ich mit einem vierjährigen Jungen hier. Er rast durch den langen Mittelgang, bleibt abrupt stehen, weil er sich wundert, dass seine Schritte von den Kirchenmauern widerhallen. „Hör mal, hier kann man einen Ton hören, wenn man gar nicht mehr singt“, sage ich zu ihm und singe einen langen Ton. Und wirklich - mehrere Sekunden lang hängt der Ton noch im Raum, obwohl ich schon gar nicht mehr singe. Es funktioniert auch mit einer Kinderstimme. Dann singe ich einen Dreiklang und wir können tatsächlich drei Tönen lauschen, die wunderbar zusammenklingen. „In dieser Kirche singt Gott mit“, sagt er und probiert es gleich aus, ob Gott mit ihm auch singt. Das tut Gott. „Warum singt Gott nur hier mit uns?“, fragt er. „Hm“, sage ich, „ich glaube, Gott singt immer mit uns, aber hier kann man es besonders gut hören.“ Wir probieren noch ein paar Geräusche aus und dann geht’s weiter, wir wollen schließlich noch die Fähre am Fluss sehen. Jubilate heißt der dritte Sonntag nach Ostern. Wir jubeln über das Wunder von Ostern: dass Licht und Leben und Hoffnung unser Leben bestimmen. Der Jubel fällt uns manchmal schwer, wenn wir Leid und Unfrieden sehen. Wir jubeln nur mit schwacher menschlicher Stimme. Aber wo wir österliche Hoffnung wagen, gerade da, wo man sie noch nicht sehen kann, da singt Gott in unserem Leben mit und verstärkt unsere eigene Stimme, damit wir die Hoffnung und das Licht von Ostern in die Welt tragen.

Katrin Dieckow ist Pastorin der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Bad Bevensen.

Von Katrin Dieckow

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