Meine Woche in Brüssel

Gerechtigkeit für ukrainische Opposition

Als die UEFA vor etlichen Jahren beschloss, die Fußball-EM in Polen und der Ukraine auszutragen, sollte damit der demokratische Aufbruch in der Ukraine unterstützt werden.

Leider hat sich die politische Lage in der Ukraine seitdem besorgniserregend verschlechtert. Lange übersah die EU die Anzeichen. Erst die Meldungen über Gewalt gegen Julia Timoschenko haben Politiker und Sportler angemessen aufgeschreckt. Frau Timoschenko braucht jetzt zu allererst eine angemessene medizinische Behandlung, dann muss für sie und fast 20 andere inhaftierte Oppositionspolitiker Gerechtigkeit hergestellt und garantiert werden, dass die Köpfe der Opposition bei den nächsten Wahlen gegen Präsident Janukowitsch kandidieren dürfen.

Die Europameisterschaften müssen nicht abgesagt werden, aber Sport und Politik dürfen sich nicht gemein machen mit einem Präsidenten, der seine politischen Widersacher ins Gefängnis stecken lässt. Es ist gut, dass sowohl der Bundespräsident als auch die Kanzlerin ihr Fortbleiben ins Auge fassen. Aber es ist auch wichtig, Janukowitsch deutlich zu machen, dass er es in der Hand hat, die Forderungen zu erfüllen. Wenn bis zu den Meisterschaften keine Verbesserung erreicht ist, dann muss der Präsident auf der Tribüne isoliert sein. Keine Kumpelei mit autoritären Politikern!

Ich habe mich über die Stellungnahme von Uli Hoeneß gefreut, der den Sportlern empfiehlt, sich für Frau Timoschenko, für Gerechtigkeit und Demokratie einzusetzen. Sein Wort in Michel Platinis Ohren! Ich wünsche mir eigentlich keinen Boykott. Wenn, dann muss er auch die Richtigen treffen: Janukowitsch und seine Freunde, und nicht die Menschen in der Ukraine. Es gibt noch Plätze auf den einfachen Rängen, wo wir zusammen sowohl Fußball sehen, als auch unsere Meinung vertreten können. Deutsche Politiker könnten auch in Nicht-EM-Städten mit ukrainischen Bürgern public viewings organisieren. Das würde Janukowitsch treffen und die Freundschaft zwischen der Ukraine und Deutschland stärken.

Ich werde in den nächsten Wochen in der Ukraine sein, um mir erneut ein Bild vor Ort zu machen. Und ich werde mit meinen ukrainischen Freunden beraten, was wir als „ Begleitprogramm für Demokraten“ während des Turniers machen können.

Rebecca Harms ist Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europäischen Parlament. Den Beitrag finden Sie auch im Internet unter

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