„Etwas dürftig

Protest nicht nur mit dem Megaphon: Initiativen-Sprecher Friedhelm Feldhaus. Archivfoto: Rabsahl

Von Marc RathUelzen/Landkreis. Je ein dicker roter Leitzordner mit jeweils 400 Seiten Unterlagen zur geplanten Autobahn 39 ist Anfang dieser Woche bei 228 Kommunen, Verbänden und Trägern öffentlicher Belange eingegangen, die im Planungsraum der A39 liegen. Die Regierungsvertretung Lüneburg hat darin die Einwände von rund 15000 Unterzeichnern und ihre Stellungnahmen zum Raumordnungsverfahren zusammengefasst (AZ berichtete).

"Auf den ersten Blick ist das inhaltlich etwas dürftig", meinte Friedhelm Feldhaus, einer der Sprecher des Dachverbandes der 33 Bürgerinitiativen gegen das Straßenbauprojekt. Nach einer ersten Sichtung bezeichneten Initiativenvertreter die Einlassungen der Straßenplaner als "zu oberflächlich".

Die Autobahngegner in der Region wollen in nächster Zukunft wieder verstärkt auf sich aufmerksam machen. Eine Duftnote ihres Protestes gegen die 600 Millionen Euro große Investition zwischen Lüneburg und Wolfsburg wollen sie setzen, wenn die Straßenbauverwaltung am 19. und 20. April in der Uelzener Stadthalle ihre Stellungnahme gegen die Einwände erläutern will. Inhaltlich sehen die A-39-Gegner in diesem Termin indes "wenig Spektakuläres", so Dachverbandssprecher Eckehard Niemann.

Die Initiativen wollen vielmehr in der nächsten Zeit fachpolitischen Spitzen ihre Argumente nochmals verdeutlichen. Niemann wird deswegen mit dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Achim Großmann (SPD), ebenso Kontakt aufnehmen wie mit Niedersachsens Verkehrsminister Walter Hirche (FDP) und dessen sachsen-anhaltischen Kollegen Karl-Heinz Daehre (CDU). Letzterer habe sich nach einer Begegnung in der Altmark sehr interessiert an Argumenten gegen die A 39 gezeigt, berichtete Niemann auf dem jüngsten BI-Treffen.

Nach der aktuellen Diskussion um eine Rückstufung der Y-Eisenbahntrasse im Kreis Rotenburg hofft die Anti-A-39- Front, dass das Straßenbauprojekt bei der nächsten Überarbeitung des Bundesverkehrswegeplanes zurückgestuft wird.

In einer Pressemitteilung beruft sich der Dachverband auf eine Äußerung von Holger Manthey, dem Koordinator des Autobahnprojekts für die Regierungsvertretung Lüneburg. Danach habe dieser gegenüber Wittinger Kommunalpolitikern erklärt, er erwarte den Bau der Autobahn nicht vor 2020 oder 2025. Manthey lässt dies jedoch so nicht stehen. "Überinterpretiert" sei diese Äußerung, sagte er der AZ. Ein Autobahnbau ziehe sich immer über einen längeren Zeitraum: "Das ist auch Zweck des Raumordnungsverfahrens –wir wollen für mehrere Jahre eine Trasse sichern, damit wir nicht immer wieder das Verfahren aufrollen müssen."

Auf ein langes Verfahren stellen sich die Autobahngegner weiter ein. Die Kriegskasse sei gut gefüllt, um bei Verfahrensfehlern juristisch aktiv zu werden, hatte Feldhaus kürzlich in Lüneburg bei einem Treffen des umweltorientierten Verkehrs-clubs Deutschland erklärt.

Erschienen: 05.04.2007: AZ / TZ 81 / Seite:2

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