Erst die Eltern, dann die Politik

Marc Rath

Von Marc Rath - Es sollte den viel beschworenen Schulfrieden geben. In Hannover ist er vor einer Woche zu Bruch gegangen. Und auch im Landkreis zeichnet sich ab, dass es zwar keinen Krieg, wohl aber einen bisweilen auch handfesten Streit um das Zukunftsthema Nummer 1 – die Bildung – geben wird. An ein paar Wahrheiten kommen dabei alle Protagonisten nicht vorbei: Wir werden weniger – in den nächsten 20 Jahren sinkt die Zahl der Schüler um rund ein Drittel.

Viele Schulformen nebeneinander werden in Metropolen möglich sein, nicht aber im ländlichen Raum. Insofern ist es eine Richtungsentscheidung, die es zu treffen gilt: Wohnortnahe Schulen oder ein vielfältiges Bildungsangebot mit längeren Fahrzeiten: Eine Integrierte Gesamtschule in Uelzen, eine Kooperative Gesamtschule in Bad Bevensen und vier Oberschulen im ländlichen Raum – gegebenenfalls auch noch mit einem Gymnasialzweig in Bad Bodenteich und Ebstorf – werden jedenfalls aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht möglich und obendrein auch kaum finanzierbar sein.

Die Kommunalpolitik spielt jetzt einen früheren Schulhofklassiker an Grundschulen – Hase und Igel. Frei nach der Devise „Ich bin schon da“ verkündete die Kreis-CDU in dieser Woche, dass die vier Oberschulen möglich sind, während die SPD in der Stadt schnell eine Elternbefragung für eine Integrierte Gesamtschule auf den Weg bringen will. Ein halbes Jahr vor der Kommunalwahl ist von dem noch im November von allen Seiten beschworenen „regionalen Schulfrieden“ nicht mehr die Rede.

Die CDU mit ihrer absoluten Mehrheit im Kreis und die SPD, mit ähnlicher Machtfülle in der Stadt ausgestattet (beide Male pikanterweise mit der FDP), versuchen, schnell noch den Vorteil der derzeitigen Situation zu nutzen und Pflöcke einzuschlagen. Das ist zwar legitim und auch verständlich, da beide Parteien damit rechnen müssen, am 11. September ein paar Federn lassen zu müssen. Es geht aber doch an den Realitäten vorbei – und nicht zuletzt auch am Elternwillen. Jetzt etwa binnen sechs Tagen hektisch zu handeln, wäre ebenso falsch wie sechs Monate zu warten.

Vielmehr gilt es, den viel beschworenen Elternwillen kreisweit zügig zu ermitteln. Dieses Ergebnis muss dann gründlich ausgewertet und die sich daraus ergebenden Konsequenzen aufgezeigt werden. Es wird ein Ergebnis sein, das Interpretationen zulässt. Und das wäre nicht das Schlechteste. Die Parteien können so mit ihren schulpolitischen Vorstellungen in den Wahlkampf ziehen – nicht nur nach Gefühl und Ideologie, sondern auch auf der Basis von konkreten Zahlen und den Wünschen der Eltern. Wer am 11. September die Mehrheit bekommt, hat die Chance zu gestalten. Dann bleibt noch ausreichend Zeit für die notwendigen Schritte zum Schuljahr 2012/2013. Selbst mit einem Schnellschuss ginge es jetzt nicht mehr eher.

marc.rath@cbeckers.de

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