A39 einfach tiefer legen

Von Jörn NoltingLüder. Der Verlauf der Querspange B190n erregte die Gemüter in der Ortschaft Lüder (die AZ berichtete). Während der Ratssitzung am Dienstagabend wurde der Tagesordnungspunkt nun ohne großes Murren in die Fraktionen verwiesen zur Beratschlagung.

Behandelt hingegen wurde das Thema A39. "Die CDU-Fraktion verzichtet auf eine Stellungnahme", sagte der Ratsherr Michael Porsch. Stattdessen regt der Rat der Gemeinde jedoch an, die A39 "tiefer zu legen". Da sich aus den Unterlagen der Planfeststellungsverfahren ergibt, dass die Autobahn nicht nur die Landesstraße 270 und die Kreisstraße55 sondern auch die Eisenbahntrasse kreuzt, gibt der Rat die Empfehlung, statt einer oder mehrerer Brücken die A39 lieber unter den drei Trassen unter durch zu führen.

"Dadurch können in erheblichem Umfang Kosten gespart werden", sagt Porsch. Darüberhinaus wäre die Beeinträchtigung der Landschaft wesentlich geringer als wenn die Autobahn auf einem Damm darüber hinweg geführt würde. "Dann hätten wir eine erhebliche Sichtbeeinträchtigung der Einwohner der Gemeinde Lüder", gibt Porsch zu bedenken.

Auch aus Gründen des Schallschutzes wäre die Führung der A39 im Einschnitt wesentlich günstiger. Sie würde zur Entlastung der Orte Neu Lüder und Lüder, die durch das Projekt kreisweit am stärksten betroffen sind, führen und "die Akzeptanz der Autobahn in Bevölkerung wird sicherlich erhöht".

Tankmar Sauer als Vertreter der Wählergemeinschaft Bodenteich (WGB) stimmte dem Vorhaben zu: "Ob das Erfolg hat, werden wir sehen." Einstimmig angenommen wurde auch der Vorschlag, ein gemeinsames Gewerbegebiet mit Bodenteich auszuschreiben. Eine mögliche Nutzung hatte Sauer auch gleich parat: "Wir könnten dort eine Raststätte einrichten, das ist besser als eine Park- und WC-Anlage." Jürgen Schulze unterstützte den Vorschlag.

Derweil machen Gegner der B190n aus Sachsen-Anhalt ihrem Ärger Luft. 33 Brücken auf einem Straßenabschnitt von 35 Kilometern, ein Fahrbahnbereich direkt neben dem schützenswerten Grünen Band – das sind zwei von vielen Tatsachen, die im Zuge des Baus einer neuen Bundesstraße 190 Realität werden würden.

"Wahnsinn", kam es den Mitgliedern der Bürgerinitiative Westliche Altmark immer wieder über die Lippen. Die Bundestagsabgeordnete der Grünen, Undine Kurth, führte das Problem kürzlich während eines Treffens mit der Bürgerinitiative mit drei Argumenten ins Feld. So nannte sie die Finanzkrise und die damit verbundenen Haushaltsprobleme. Sie machte klar, dass ein Neubau der B190n aus ihrer Sicht nicht finanzierbar sei. Außerdem hält sie die Pläne für veraltet, weil im Rahmen des Klimaschutzes solche Infrastrukturen nicht länger tragbar wären. In diesem Zusammenhang brachte sie die Eisenbahn zur Sprache. Das dritte Argument wäre der Artenreichtum, der immer weiter zurück geht. In das gleiche Horn stieß die EU-Abgeordnete Rebecca Harms, die sich klar für den Ausbau von vorhandenen Straßen aussprach.

Erschienen: 24.07.2009: AZ / az / Seite:5

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