Einen Versuch ist es wert

Marc Rath

Von Marc Rath - Gähnende Leere, keine Magneten, kaum Attraktionen: Der Start von Uelzens neuer Fußgängerzone war und ist ein politischer Schuss, der sein Ziel weit verfehlt hat. Dass jetzt fast alle Anlieger eine Rücknahme des Beschlusses fordern, ist nicht nur ein Warn-, sondern ein Alarmsignal.

Diese Testphase war schon zum Scheitern verurteilt, bevor sie begonnen hatte. Das hat einen fast schon banalen Grund. Das ohnehin reichlich brüchige Bündnis von SPD und FDP musste Überzeugungsarbeit beim liberalen Wackelkandidaten Gerald Röpe leisten. Der ließ sich von seinem Veto für eine Fußgängerzone nur dadurch abbringen, nach dem die sozialdemokratischen Politfüchse die einjährige Probephase aus der Trick- und Taktikkiste zogen. Was politisch aufging, funktioniert in der Praxis noch lange nicht. Ein ohnehin für eine Fußgängerzone wegen seiner ausgeprägten Breite, aber eines eingeschränkten Branchenmixes kaum geeigneter Bereich für eine Fußgängerzone wird nicht dadurch besser, indem man ihn einfach mal für den Autoverkehr sperrt.

Spürbare – und gar kostenintensive – Veränderungen kann es nun in der Probephase nicht mehr geben. Da hatten sich die sozialdemokratischen Strategen mit den selbst auferlegten Beschränkungen buchstäblich ins eigene Knie geschossen. Denn dass so daraus kein Massenschlager werden kann, ist eigentlich logisch. Ein Denkmal werden sich die Initiatoren dieser Idee damit wohl kaum setzen. Vielleicht aber ein Denk-mal-nach – nach Alternativen nämlich.

Das Basteln an diesem Provisorium hat schon viel Elan gekostet, ohne dass die Innenstadt damit einen spürbar positiven Effekt verzeichnen kann – offensichtlich ist vielmehr das Gegenteil der Fall. Wenn die Tage jetzt noch grauer, kälter und schneller dunkler werden, wird das ohnehin nicht pralle Leben dort weiter schwinden.

Der Vorteil eines Provisoriums ist indes, dass es auch nur eines ist: Nachdem die Verkehrsführung binnen kurzer Zeit schon drei Mal verändert worden ist, dürfte dies auch ein viertes Mal möglich sein. Was spricht also dagegen, den Anlieger-Vorstoß einer verkehrsberuhigten Zone für das zweite Versuchshalbjahr aufzunehmen und zu realisieren? Dann hätte man zwei Varianten zum Vergleich – das belebt zumindest die Diskussion und vielleicht auch die Innenstadt.

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