Eine Verabredung mit sich selbst

Andreas Becker

Von wegen besinnliche Einstimmung auf das Weihnachtsfest – das Karussell von Nachrichten und Neuigkeiten drehte sich in der vergangenen Woche im Landkreis Uelzen auf Höchstgeschwindigkeit.

Ob A 39 oder B 4, Riesenrad oder Kuschelzoo, Weihnachtsgeschenke oder Adventskalender, Douglas-Bande oder Schutzgelderpressung, Herbert Grönemeyer oder Streetworker, brennende Wohnwagen oder totalbeschädigte Unfallautos, nächtliches Blitzeis oder zweistellige Mittagstemperaturen – die 51. Kalenderwoche hatte es in sich. Vom fragwürdigen moralisch-ethischen Koordinatensystem des deutschen Bundespräsidenten, immerhin unserem Staatsoberhaupt, ganz zu schweigen. Apropos Schweigen: „Nur wenn Du das Schweigen kennst, wirst Du das Reden lernen; was Du zu sagen hast, kann nur im Schweigen reifen“, heißt es in einem Sprichwort der Schweizer Ärztin und Schriftstellerin Adrienne von Speyr. Eine Weisheit, die nach all der Nachrichtenflut und des vorweihnachtlichen Stressaufkommens den sanften Übergang in den Heiligabend und die heilige Nacht erleichtern könnte. Schweigen, gepaart mit Stille und Innehalten, als Weg zu innerer Ruhe und Ausgeglichenheit. Weihnachten, das Fest der Liebe, heißt auch, abzuschalten, anzuhalten. Sich mit sich selbst zu verabreden. Sich selbst zu genügen. Frei von allen Zwängen und Ansprüchen, die von zweiter und dritter Seite einwirken. Warum wachsen Bäume, Blumen, Kräuter in der Stille, warum bewegen sich Sterne, Sonne, Mond in der Stille? „Die Stille gibt uns eine neue Sicht der Dinge“, sagt Mutter Teresa. Doch können wir in unserer lauten Informationsgesellschaft Stille überhaupt noch ertragen? Wir können! Wenn nicht in der heiligen Nacht, wann dann?

Von Andreas Becker

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