Der Hanstedter Jürgen-Hendrik Wille holt beim Bundesentscheid im Leistungspflügen den 5.Platz

Er zieht die genauesten Furchen

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Pflügen ist seine Leidenschaft: Seit sich Jürgen-Hendrik Wille einen Vierschar-Drehpflug extra für Meisterschaften zugelegt hat, zieht er mit dem 150 PS starken Trecker noch genauere Furchen.

Hanstedt I. Andere Männer in seinem Alter gehen zum Fußball. Jürgen-Hendrik Wille hat ein anderes Hobby: Er pflügt Furchen.

Das macht der 28-jährige Hanstedter so gut, dass er beim Bundesentscheid in Schleswig-Holstein Ende September den fünften Platz geholt und so das Ticket für die Europameisterschaft 2018 in Weißrussland gezogen hat.

„Furchen zentimetergenau pflügen zu können, ist nicht nur praktisch“, erklärt Wille. Je gerader die Furchen, desto effizienter kann ein Feld bewirtschaftet werden. „Es macht auch einfach Spaß, sich in der Königsdisziplin, dem Drehpflug, mit den Besten zu messen.“ Mittlerweile ist das Pflügen mit 150 PS starken Maschinen für den gelernten Landwirt, der jetzt Betriebsleiter einer Ferkelaufzucht ist, zur Leidenschaft geworden.

Schon als Sechsjähriger saß er zum ersten Mal auf dem Trecker. „Mein Onkel hat einen landwirtschaftlichen Betrieb“, erzählt Wille. „Ich bin mit dem Ackerbau groß geworden.“ Vor zehn Jahren nahm er an den ersten Wettbewerben teil. Auf Kreis- und Bezirkswettbewerbe folgte die erste Landesmeisterschaft. Seitdem hat der Leistungspflüger nicht nur viel Zeit investiert. „Es ist ein kostspieliges Hobby“, gibt Wille zu. Bei seinen ersten Wettbewerben ist er noch mit dem betrieblichen Ackerpflug angetreten. „Ich habe mir dann einen Vierscharer zugelegt, den außer mir niemand auf Meisterschaften benutzt“, sagt er stolz.

Seitdem könne er die Furchen noch genauer ziehen, was Wille Ende September beim Bundesentscheid bewiesen hat. Dort musste er auf einem trapezförmigen Feld von 100 Metern Länge und zwischen 38 und 46 Metern Breite zuerst die Spaltfurche markieren, dann möglichst gerade schlagen. Beim Auspflügen des Beets stieg Wille immer wieder vom Trecker, um nachzumessen und gegebenenfalls zu korrigieren. „Ohne Maßband und Zollstock geht nichts“, sagt er.

Am Ende war er auf den Zentimeter genau wieder am Ausgangspunkt angekommen. „Wenn sich jemand nicht ordentlich vorbereitet hat, sieht man das sofort, was sehr peinlich ist“, weiß der Profi. Neben dem praktischen Teil mussten die Teilnehmer 40 Fragen aus den Bereichen Landwirtschaftspolitik, Ackerbau und Bodenkunde beantworten. Dank der guten Vorbereitung sprang für Wille der fünfte Platz und die Teilnahme an der Europameisterschaft 2018 heraus.

Auf Weißrussland freut er sich schon: „Es macht großen Spaß, andere Länder und die besten Pflüger kennenzulernen.“ Seine Chancen sieht Jürgen-Hendrik Wille realistisch. Bisher kam noch kein Welt- oder Europameister aus Deutschland. „Die Engländer sind sehr stark. Die leben für solche Wettbewerbe“, weiß er.

Von Sandra Hackenberg

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