Melzinger Schweinemaststall kommt nicht vors Gericht

„Wir müssen mit dem Stall leben“

Melzingen. „Es ist ernüchternd, man fühlt sich vom Landkreis in Stich gelassen“, sagt Karsten Hauch, Sprecher der Bürgerinitiative gegen einen Schweinestall-Neubau in Melzingen.

Die Initiative, Vertreter der Gemeinde Schwienau, des Arboretums und des BUND trafen sich jetzt, um das weitere Vorgehen nach der Genehmigung des Stalls durch den Landkreis (AZ berichtete) abzustimmen und die rund 30 anwesenden Bürger zu informieren.

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„Es ist so wie es ist. Die Sache ist durch“, stellt Dieter Hestermann, Vorsitzender der Christa von Winnnig-Stiftung, des Trägers des Arboretums, fest. Daher werde das Arboretum keine weiteren rechtlichen Schritte gegen den Neubau unternehmen. Bisher sind rund 8600 Euro Anwaltskosten angefallen, eine Summe, die jetzt für dringende Arbeiten fehle. Dass der Schweinestall nun mit Auflagen, wie einer Filteranlage, gebaut werden muss, hält Hestermann für einen Erfolg: „Unser Einsatz hat erst die Auflagen des Kreises möglich gemacht.“

Auch die Gemeinde wird keine Klage gegen den Beschluss einreichen. Der Anwalt der Gemeinde, Professor Martin Gellermann, habe von eine Klage abgeraten, berichtet Schwienaus Bürgermeister Gustav Müller (SPD). Das Haftungsrisiko, wenn die Klage abgewiesen werde, sei einfach zu hoch. Denn die Gemeinde müsste Verdienstausfälle, die durch eine spätere Errichtung des Stalls entstehen, ersetzen. „Wir werden mit dem Stall leben müssen“, sagt Müller.

Der Bürgerinitiative selbst fehlt das Geld, um zu klagen, sagt Hauch. Dass der beantragte Maststall und der vorhandene Ferkelstall vom Kreis getrennt betrachtet wurden, sei besonders enttäuschend. Die Behörde habe es versäumt, etwas gegen die Belastung durch alte Anlagen zu unternehmen. „Der Knackpunkt sind die Altställe in Melzingen“, meint auch Eckhard Schulz, Landwirt auf dem Immenhof. Da viele der Altställe keine Filter hätten, sei die Geruchsbelästigung durch diese ungleich größer. Daher sollte die Bürgerinitiative das Gespräch mit den Landwirten suchen und versuchen, sie zum Einbau von Filtern zu bewegen, was einige Landwirte im Dorf schon gemacht hätten. „Es kommt auf das Miteinander an“, ist er überzeugt.

Jan Willcox vom BUND schlug den Bürgern vor, fristgerecht Widerspruch einzulegen, um Akteneinsicht beim Kreis zu bekommen. „Es wäre eine vertane Chance, wenn man keinen Widerspruch einlegt.“ Vielleicht könnten so noch Ungereimtheiten gefunden werden.

Auf jeden Fall will die Melzinger Bürgerinitiative darauf achten, dass alle Auflagen eingehalten werden, wie zum Beispiel eine Bepflanzung am Stall. „Der Landkreis muss jetzt seinen Kontrollpflichten nachkommen“, appelliert Hauch.

Von Lars Lohmann

Rubriklistenbild: © dpa

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