Nach der Wahl-Schlappe im Samtgemeinderat spricht Torsten Wendt Klartext

„Wie mit Dreck beworfen“

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Torsten Wendt hat die Mehrheit des Samtgemeinderates nicht hinter sich – 23 der 35 anwesenden Ratsmitglieder sprachen sich gegen seine Wahl zum Ersten Samtgemeinderat aus.

Ebstorf. Die Mehrheit des Samtgemeinderates Bevensen-Ebstorf hat am Donnerstag gegen Torsten Wendt als Ersten Samtgemeinderat gestimmt. Gestern, am Tag nach der entscheidenden Sitzung, spricht er mit AZ-Redakteurin Ines Bräutigam über das Zurückliegende und Bevorstehendes.

Herr Wendt, wie geht es Ihnen?

Schlecht. Ich fühlte mich schon im Auswahlverfahren wie zum Schlachten frei gegeben und konnte mich nicht wehren. Bereits frühzeitig wurde ich darüber informiert, dass es Telefonanrufe von der CDU aus Ebstorf bei Ratsmitgliedern gab. Ich bin menschlich zutiefst enttäuscht von der Aufrichtigkeit mancher Kommunalpolitiker.

Wie meinen Sie das?

Dass es eine Ausschreibung der Stelle des Ersten Samtgemeinderates geben würde, damit hatte ich ja schon gerechnet. Da fing die Zeit des Bangens und Hoffens für mich an. Ich habe das bislang für mich behalten, aber mir wurde zum Beispiel von Herrn Dr. Vietor (Mitglied der WBB, d. Red.) nahe gelegt, meine Kandidatur zurückzunehmen. Er meinte, ich hätte mich nicht genügend fortgebildet und zu wenig Initiative gezeigt. Schließlich gab es aus der Ebstorfer CDU Gegenwind.

Können Sie konkret werden?

Der Vorsitzende Ulf Schmidt hat Stimmung gegen mich gemacht.

Inwiefern?

Ich weiß konkret zumindest von einem Ratsmitglied, dass es einen Anruf von der CDU aus Ebstorf erhalten hat. Für mein Vorstellungsgespräch hatte er einen ganzen Fragenkatalog vorbereitet, der nur darauf abzielte, mich zu diskreditieren. Es ging darum, ob noch arbeitsrechtliche Verfahren aus meiner Zeit als Samtgemeindebürgermeister anhängig seien und ähnliches. Sämtliche Verfahren sind im Einverständnis und mit Wissen des Samtgemeindeausschusses geführt worden. Ich fühlte mich wie mit Dreck beworfen – vielleicht bleibt ja was hängen. Und er warf mir vor, dass ich als Samtgemeindebürgermeister einmal Einspruch gegen den Haushalt eingelegt hatte. Das war wegen der dramatischen Finanzlage meine Pflicht. Mit einer Anhebung der Samtgemeindeumlage und weiteren Vorschlägen war ich zuvor ja immer beim Rat abgeblitzt.

Dann zeichnete sich die Stimmung gegen Sie offenbar schon früh ab?

Während meiner Amtszeit wurde ich von Herrn Schmidt nie kritisiert. Im Gegenteil, da gab es noch Lob für das Engagement, wenn man zu Fraktionssitzungen in den Abendstunden gekommen war. Der Ebstorfer Samtgemeinderat hat mir ein Zeugnis mit der Note „gut“ ausgestellt. Einstimmig, also auch durch Herrn Schmidt. Da ist das Abstimmungsergebnis von Donnerstagabend ein Schlag ins Gesicht. Das ist hinterhältig und falsch.

Harte Worte. Sind es die eines schlechten Verlierers?

Nein, überhaupt nicht. Nur die Begründung der Mehrheitsgruppe, dass es wegen der weiteren Bewerber eine neue Sachlage gebe und man deshalb nicht einheitlich abstimmen werde, ist für mich nicht plausibel. Die Gruppenvereinbarung, man werde den Vorschlag von Herrn Kammer unterstützen, wurde nicht eingehalten.

Eigentlich könnte Ihnen das doch jetzt egal sein...

Ich habe die Fusion maßgeblich mit initiiert. Und ich halte sie nach wie vor für richtig. Ich habe persönlich vieles aufgegeben, denn ich musste flexibel auch an den Wochenenden arbeiten. Außerdem haben mich gleich nach der Sitzung Bürger angerufen oder angesprochen, die befürchten: Ebstorf wird jetzt nieder gemacht. Das ist mir keinesfalls gleichgültig.

Wie geht es nun für Sie persönlich weiter?

Es wurde von beiden alten Samtgemeinderäten immer gesagt, dass niemand im Zuge der Samtgemeinde-Fusion seinen Job verlieren würde. Nun bin tragischerweise ich derjenige, dem genau das passiert. Das ist bitter. Die Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf zahlt mir eine lebenslange Pension. Aber das reicht nicht für eine Familie, und ich will mit 41 nicht Pensionär sein. Ich habe bereits verschiedene Bewerbungen geschrieben und muss sehen, was daraus wird.

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