Kritik am Umzug: Einwohner des Klosterfleckens Ebstorf verärgert über Leerstand in Hauptstraße

Volksbank hinterlässt „Müll“ im Ort

Ärgernis hinter dem Maschendrahtzaun: Die Volksbank baut in Ebstorf eine neue Filiale auf der grünen Wiese. Ihr bisheriger Sitz im Ortskern wird zunächst leer stehen – ein Zustand, der Einwohner ärgert. Foto: Jansen

Ebstorf. „Gewerbeflächen-Management“ war ein Thema des dritten Workshops der Stadtentwicklung Ebstorf – und zugleich das Stichwort für Jürgen Raabe. Von Dr.

Arnd Jenne, der den Klosterflecken bei der Entwicklung eines ganzheitlichen Konzeptes für Ebstorf unterstützt (die AZ berichtete), wollte der Anwohner des Domänenplatzes wissen, was der einfache Bürger tun kann, wenn ein Unternehmen wie die Volksbank „seinen Müll“, sprich den Leerstand, im Ortskern hinterlässt, um künftig auf der grünen Wiese zu operieren. Jenne hatte zuvor betont, dass er bewusst von Gewerbeflächen-Management“ und nicht von „Leerstands-Management“ spreche, „weil es nicht darum gehen kann, den Leerstand von Geschäftsimmobilien zu managen, sondern ihn zu verhindern. “ Zu diesem Gewerbeflächenmanagement gehöre nach Ansicht des Experten, der bereits für mehrere Kommunen Stadtentwicklung betrieben hat, auch die Pflege des Bestands. Das heiße, sich rechtzeitig um die Unternehmen zu kümmern, die wegen zu klein gewordener Räume oder aus anderen Gründen mit ihrem Geschäfts-Objekt nicht mehr klar kommen, ergänzte Jenne den Maßnahmen-Katalog für Ebstorf in diesem Punkt. „Mit allen ansässigen Unternehmen muss man im Gespräch bleiben, um rechtzeitig gemeinsam mit akzeptablen Lösungen reagieren zu können. “.

Die Volksbank Ebstorf wird ihren Standort im Ebstorfer Ortskern, an der Hauptstraße, aufgeben und in Bahnhofsnähe eine kleinere Filiale neu bauen (die AZ berichtete). Von diesen Plänen seien sie nicht informiert gewesen, ergänzte Max Raabe aber die Kritik seines Vaters. Doch das sah Ebstorfs Gemeindedirektor Wilhelm Oelstorf anders. In der Volksbank hätten schon länger die Informationen über den geplanten Umzug ausgehangen, „überraschend war nur für einige Bürger, dass die Gemeinde über den Beginn der Bauarbeiten informiert hatte.“

Denn inzwischen hat der Bagger an der Georg-Marwede-Straße schon die Fläche planiert, auf der die Grundplatte für das neue Volksbankgebäude Platz finden soll. Die Volksbank Uelzen-Salzwedel will bereits im dritten Quartal neben den in den letzten Jahren angesiedelten Supermärkten und Discountern am Kreisel ihre Arbeit aufnehmen.

Die Supermärkte sorgten bereits für Abwanderung der Besucherströme aus dem Ortskern, hieß es dazu bei den Teilnehmern des Workshops. „So manches Mal dachte ich beim Einkaufen, dass es gut wäre, wenn zumindest ein Geldautomat in der Nähe des Kreisels wäre“, berichtet eine Besucherin, die das neue Geschäftezentrum für die Versorgung ihrer Familie regelmäßig aufsucht.

Der Leerstand eines weiteren Gebäudes im Zentrum des Klosterfleckens Ebstorf macht den Akteuren des Stadtentwicklungs-Workshops dennoch Kummer. „Sie müssen sich um eine neue Nutzung kümmern“, bestätigte Jenne das, was die Gemeinde in der AZ schon „als Chance“ bezeichnet hatte. „Ein beschauliches Café mit dem vielsagenden Namen ,Tresor‘“, grinste eine Einwohnerin, „das hätte was.“

Von Angelika Jansen

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