Ebstorfer hadern mit Leistung des Touristischen Dienstleistungszentrums / Eigene Strategie angedacht

Vermarktung ist „altbacken“

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Vor allem das Kloster zieht Besucher nach Ebstorf – viele von ihnen kommen auf dem Fahrrad. 

Ebstorf. In ihm sollen die touristischen Aktivitäten auf Landkreisebene gebündelt werden – dem Touristischen Dienstleistungszentrum, kurz: TDZ. Doch welchen Nutzen die einzelnen Kommunen tatsächlich von diesem Zusammenschluss haben, wird zunehmend in Frage gestellt.

So war die Gemeinde Bienenbüttel dem Verbund gar nicht erst beigetreten. Zuletzt hatte die Bad Bevensen Marketing GmbH (BBM) als Schwergewicht des TDZ dessen Notwendigkeit angezweifelt. Und nun erheben auch die Ebstorfer – wiederholt – kritisch das Wort. Man solle sich doch mehr auf die lokalen touristischen Vermarktungsstrategien konzentrieren, war jüngst die Quintessenz einer Diskussion im Fleckenrat.

Mit 5,2 Prozent ist der Klosterflecken am TDZ beteiligt. 3600 Euro wird er im kommenden Jahr für die Aktivitäten zur Verfügung stellen. Ob das Geld allerdings gut angelegt ist, daran hatten die Kommunalpolitiker so ihre Zweifel. Denn bei der Vielfalt von touristischen Organisationen im Landkreis Uelzen – vom TDZ über die Heideregion bis hin zur BBM – blicke ja niemand mehr wirklich durch, hieß es. „Alle sind nichts wert“, stellte UWG-Ratsherr Heiko Senking fest. „Für Ebstorf fällt da im Augenblick nicht viel ab, das ist alles einfach zu wenig.“ Die kreisweite Vermarktung finde er „altbacken, im 80er-Jahre-Style“. Und deswegen solle man auch ein Signal setzen und dem TDZ-Etat für das nächste Jahr nicht zustimmen.

SPD-Fraktionschef Hans Peter Hauschild sah das etwas differenzierter: „Wir sollten schon unsere eigenen Einrichtungen stärken.“ Man brauche aber auch eine übergeordnete Tourismus-Institution. „Aber das verzettelt sich alles“, so Hauschild, der dringend eine Umstrukturierung forderte. Bei zwei Nein-Stimmen und einer Enthaltung gaben die Ratsleute das Ebstorfer TDZ-Budget für 2017 dann frei.

Angela Geschonke.

Im AZ-Gespräch betont Ebstorfs Leiterin der Tourist-Info, Angela Geschonke, dass die Arbeit auf Landkreisebene durch das TDZ und die Heideregion sehr wichtig sei. Denn dort würden infrastrukturelle Maßnahmen entwickelt – wie der Ilmenauradweg oder die jetzt zertifizierte Radreiseregion. Das funktioniere aber nur auf Kreisebene, manchmal sogar nur darüber hinaus. „Urlauber wollen auch keine Gemeindegrenzen, sie wollen ein großes Angebot und eine Vielfalt an Sehenswürdigkeiten in einer Region.“ Ein gemeinsames Marketing sei viel effektiver und könne da aktiv werden, wo die landkreisweit agierende Heideregion ihre personellen und finanziellen Grenzen erreiche.

Die Übernachtungszahlen seien in den letzten Jahren in der Urlaubsregion Ebstorf stetig gestiegen. „Und das, obwohl vier Betriebe aufgegeben haben und auch kein Hotel mehr vor Ort ist“, berichtet Angela Geschonke. Den größten Zuwachs hätten die Campingplätze verzeichnet. „Trotzdem wäre ein kleines Hotel oder ein Gästehaus mit einem angemessenen Preisniveau bei uns begrüßenswert.“

Heiko Senkings Kritik, es mangele an modernen Vermarktungswegen, kann Angela Geschonke jedoch nachvollziehen. „Der Bereich ‘Social Media’ ist tatsächlich in letzter Zeit vernachlässigt worden“, räumt sie ein. „Das ist den Touristikern klar und soll so schnell wie möglich aufgenommen werden.“ Allerdings gebe es auch das Online-Marketing nicht zum Nulltarif.

Von Ines Bräutigam

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