Schüler der Georgsanstalt kalkulieren möglichen Ausbau der Biogasanlage in Altenebstorf durch

Übungsaufgabe mit realem Wert

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Der Bagger bleibt, das Substrat könnte sich ändern: Zurzeit wird die Biogasanlage in Altenebstorf noch mit Mais „gefüttert“, in naher Zukunft landen vielleicht Zuckerrüben im Annahmebehälter. Die Betreiber prüfen, ob sich dieses Vorhaben verwirklichen lässt.

kt Ebstorf. Die Biogasanlage in Altenebstorf versorgt bereits örtliche Einrichtungen wie das Schwimmbad, die Grundschule und den Kindergarten sowie 14 Wohnhäuser mit Wärme. Außerdem werden hier mehr als 6,1 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugt.

Nun stellte eine Gruppe von jungen Menschen Überlegungen an, ob und unter welchen Voraussetzungen sich ein Ausbau der Anlage lohnen würde.

Die 17 Männer und zwei Frauen im Alter von circa 20 Jahren absolvieren derzeit die Ausbildung zum Betriebsleiter in der Landwirtschaft an der Berufsbildenden Schulle II/Georgsanstalt. Vor Beginn dieser einjährigen Fachschulzeit haben sie bereits eine Berufsausbildung zu Landwirten abgeschlossen.

„Im zweiten Schulhalbjahr besuchen wir jede Wochen einen landwirtschaftlichen Betrieb“, erklärt Lehrer Joachim Meyer. In erster Linie seien dies Betriebe, die von den Familien der Schüler geleitet werden. Die Exkursionen sollen die angehenden Unternehmensführer auf ihre Abschlussarbeit vorbereiten. In der müssen sie die Ist-Situation von Betrieben analysieren, deren Entwicklungsmöglichkeiten planen und diese unter ökonomischen und ökologischen Aspekten beurteilen.

Einer der Schüler ist Bastian Wolle. Er gehört zu den zehn Landwirtsfamilien aus Ebstorf und dem erweiterten Umkreis, die gemeinsam die Biogasanlage betreiben. Darum war er für die Planung und Durchführung der Exkursion in Altenebstorf mitverantwortlich: Er stellt die aktuellen Zahlen vor, die im Zusammenhang mit der Anlage von Bedeutung sind, und präsentiert ein Konzept zum Ausbau der Kapazitäten. „Bevor ihr in den Kleingruppen mit der Arbeit beginnt, schaut, ob ihr alle relevanten Daten habt“, erinnert Meyer seine Schützlinge. Ob es denn garantierte Abnehmer für die zuätzliche Menge an Wärme und Strom gebe, zum Beispiel. Als alle offenen Fragen geklärt sind, legen die Schüler los.

Das Szenario, das es durchzukalkulieren gilt, lautet: Was wäre, wenn man mit dem vorhandenen 500-Kilowatt-Motor aus der Anlage den zweiten im Dorf befindlichen Motor von 190 Kilowatt ersetzt, diesen verkauft und die Anlage dafür mit einem neuen, 625 Kilowatt starken Motor betreibt? Wieviel mehr könnte die Anlage durch diesen Ausbau leisten, welcher Gewinn ergibt sich daraus und in welchem Verhältnis steht dieser zu den notwendigen Investitionen? In den folgenden zehn Minuten klappern die Tasten der Taschenrechner.

Das Planspiel ist nicht nur fiktiver Natur: „Es bestehen tatsächlich Überlegungen in diese Richtung“, verraten Wolle und sein Mitschüler Johannes Lachmann. Aber die stünden im Zusammenhang mit weiteren Veränderungen im Betrieb. „Es muss zum Beispiel noch geprüft werden, ob es möglich ist, die Anlage mit Zuckerrüben anstelle von Mais zu füttern“, so die Junglandwirte weiter. Unabhängig davon, ob das Konzept am Ende verwirklicht wird, profitieren zumindest Meyers Schüler von der Rechenaufgabe.

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