Machbarkeitsstudie: Baumkronenpfad im Klosterflecken möglich und wirtschaftlich

Über den Wipfeln Ebstorfs

Im bayrischen Wald spazieren Besucher bereits über einen Baumkronenpfad Foto: dpa

Ebstorf. Ein Baumkronenpfad in Ebstorf ist möglich und auch wirtschaftlich – so das Ergebnis der Machbarkeitsstudie, die der Klosterflecken Ebstorf bei Architekten in Auftrag gegeben hat.

Für rund 5,3 Millionen Euro könnte der Waldweltenpfad in luftigen Höhen am Ebstorfer Ahrensberg entstehen und jährlich 140 000 Besucher nach Ebstorf ziehen – wenn ein Investor gefunden wird. Denn die Gemeinde will sich aus dem Projekt komplett heraushalten.

Ein Basisprojekt, also eher ein Gerüst als ein im Detail geplantes Konzept war es, was das Architektenteam Jürgen Othmer und Werner Hillmann am Donnerstag in der Turnhalle der Mauritiusschule vorstellten. Wie könnte ein solcher Pfad in Ebstorf aussehen? Ist das vorgesehene Gelände geeignet und gibt es potentiell genug Tagesgäste und Urlauber, die sich vorstellen könnten, über den Wipfeln Ebstorfs zu spazieren? Die Antwort der Experten lautet: Ja.

Wenn sich ein privater Investor findet, könnte in Ebstorf der nördlichste Pfad in Deutschland entstehen – ein Leuchtturm für den Klosterflecken, der zusätzliche Gäste bringen könnte. „Ich war zuerst skeptisch, denn, was ich normalerweise beim Wort Baumkronenpfad im Kopf habe, habe ich hier nicht gesehen. Aber inzwischen bin ich begeistert von der Idee eines ganz anderen Baumkronenpfades in der Heide“, sagte Hillmann. Funktionieren kann der erste Baumwipfelpfad im Norden jedoch nur mit einer passenden Vermarktungsstrategie. Die Idee der Experten: Ein Waldweltenpfad – angelehnt an die Ebstorfer Weltkarte. Als eine Werbekampagne für den ganzen Ort. So könnte das Verkehrsbüro der Samtgemeinde Kombinationsangebote zusammenstellen: Kloster, Besinnungswege und das Arboretum in Melzingen – alles steht unter der großen Überschrift „Besinnung und Naturerfahrung“, Schlagwörter zu denen auch der künftige Baumwipfelpfad passen würde. Denn der soll sich nicht zwischen Heidepark Soltau oder dem Hamburger Dom einreihen, sondern in bis zu 40 Metern Höhe Lehr- und Erlebnischarakter miteinander verknüpfen (AZ berichtete). Hillmann: „Das sind nicht nur einfach Bäume, sondern ein spannender Bestand, der sich je nach Jahreszeit verändert.“ In der Kombination mit wechselnden Ausstellungen könnte das Besucher anlocken.

In einer Umfrage von Studenten der Hochschule Bremen unter 430 Menschen stellte sich zumindest heraus, dass das Ebstorfer Projekt bei potentiellen Urlaubern gut ankommt. Rein nach dem Besucherpotenzial hätte eine Tour über der Heide gute Chancen, in die Freizeitplanung aufgenommen zu werden.

Bedenken von Bürgern, dass bei der Umsetzung des Projektes zu viel Wald zerstört werden könnte, verneinten die beiden Architekten. Bei allen Planungen seien Naturschutzbehörden und Forstamt mit ihm Boot gewesen. So würden Ersatzflächen geschaffen werden und zudem sei der Ahrensberg anders als der Ebstorfer Bobenwald keine unberührte Natur. Mit Waldkindergarten, Campingplatz und Schwimmbad wird der Forst hier bereits vom Menschen genutzt. „Wir würden hier nicht die typische naturbelassene Natur zeigen, sondern die vom Menschen angepackte, geschaffene Auenlandschaft“, erklärte Hillmann. „Die Aufgaben des Waldes könnten inszeniert werden und neben dieser relativ naturnahen Kulturlandschaft haben wir in Ebstorf mit der Weltkarte noch eine gute Historie, die man vermarkten kann.“ Durch die Nähe des Projektes zu Ebstorf hoffen Tourismusexperten und Wirtschaftstreibende Gäste in den Ort zu ziehen.

Von Wiebke Brütt

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