Einbrecher bestehlen Wierener Kinder / Kamera mit Szenen erbeutet

Trickfilm in Diebeshänden

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Gähnende Leere in der „Trickfilmchen“-Kiste und die „6er-Bande“ des Wierener DRK-Kindergartens guckt in die Röhre: Leni, Beke und Max (hinten von links), Rayk, Janine und Kaja (vorn von links) sind traurig, dass ihnen ihr Trickfilm gestohlen wurde.

Wieren. Die Premiere ist ins Wasser gefallen, bevor sie überhaupt beginnen konnte. Denn die Trickfilm-Vorführung, die Leni, Beke und Max, Rayk, Janine und Kaja von der „6er-Bande“ im Wierener DRK-Kindergarten für den 8. Dezember geplant hatten, wird es nicht geben. Einbrecher haben am Wochenende die Kamera aus der

Kindertagesstätte gestohlen. Mitsamt allen Filmszenen, die die Kinder in mühsamer und liebevoller Kleinarbeit über Wochen hinweg schon gestaltet und aufgenommen hatten.

Enttäuschung und Wut bei den Knirpsen sind groß. Schließlich hatten sie sich jede Menge Arbeit mit dem Filmprojekt gemacht, das in Verbindung mit der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen auf die Beine gestellt werden sollte. Die einzelnen Szenen hätten nur noch zusammengeschnitten werden müssen.

„Die Räuber kennen wir nicht“, schreiben sich die sechs Kinder nun in einer Art „Brief an die Räuber“ von der Seele. „Wir wissen nicht, wie ihr heißt.“ „Unser Trickfilm ist gestohlen worden!“ „Ihr wusstet wohl nicht, dass unser Trickfilm da drin ist.“ Diese und andere Gedanken treiben die „6er-Bande“ derzeit um. Denn der Film, „ja, der hat ganz viel Arbeit gemacht“, bringen die Kleinen ihren Frust auf den Punkt.

Die Filmszenen hatten die Kinder zum Thema „Wind“ aufgenommen – mit einer Kamera, die über einen Animationsmodus verfügt. Kleine Figuren und Winddrachen, Bäume und Häuser hatten sie aus Papier ausgeschnitten und bemalt und wollten ihnen – unterlegt mit Geräuschen und einem „Wind-Lied“ – im Film Leben einhauchen. All dies macht eine so genannte Trickboxx möglich, die von der Landesstelle zur Verfügung gestellt wird. Es handelt sich dabei um eine Holzkiste mit eingebauter Digitalkamera, mit der man Filme mit Puppen oder Knetfiguren ganz einfach selbst herstellen kann: Die Kinder nehmen die selbst erstellten Vorlagen Einzelbild für Einzelbild auf. Dabei lernen sie nicht nur, wie Bilder „laufen lernen“, sondern erproben auch Teamarbeit und lernen, eigene Ideen kreativ umzusetzen.

Trickfilme üben eine besondere Faszination auf Kinder aus. Sie setzen der Fantasie keine Grenzen, lassen Bilder und Geschichten lebendig werden, die es in der Realität nie geben könnte. Deshalb hoffen Leni, Beke, Max, Rayk, Janine und Kaja auch, dass ihre Aufnahmen doch noch irgendwie zu ihnen zurückkehren, und sie haben einen großen Wunsch: „Räuber, können wir bitte den Trickfilm wieder haben? Wir hoffen, dass es klappt...“

Von Ines Bräutigam

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