An alten Ritterwegen

Tradition: Ebstorfer wandern zwölf Kilometer an Ortsgrenzen entlang

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Rund 40 Wanderer liefen am Tag vor Silvester die Ebstorfer Ortsgrenzen ab. Dabei mussten sie auch die Straße zwischen Ebstorf und Wessenstedt überqueren.

Ebstorf. Wandern zum Jahresende: Vor vielen Jahren entstand in Ebstorf die Tradition des Grenzbeziehens mit Uwe Beecken. Der Flecken-Bürgermeister und frühere Gilde-Hauptmann kennt sich in der Geschichte des Ortes und mit seinen Grenzen aus.

Ein Wissen, das er auch anderen näherbringen will. So lud er jetzt zum mittlerweile 18. Grenzbeziehen am Tag vor Silvester ein. Zwölf Kilometer war die Wanderstrecke lang.

Vom Treffpunkt am Schießstand der Schützengilde ging es durch die Klosterfuhren zum letzten Grenzpunkt der Wanderung vor zwei Jahren in Richtung Oetzfelde.

Im vergangenen Jahr fiel die Wanderung wegen Erkrankung aus, und auch in diesem Jahr konnte Beecken selbst wegen Beeinträchtigungen nicht mitlaufen. Aber der Wanderführer der neuen TUS-Wandersparte, Christoph Erdt, übernahm nach genauer Instruktion die Führung und erläuterte auch besondere Punkte. So wurde die kleine Greve-Brücke in die Klosterfuhren passiert, die nach einem ehemaligen Klosterförster benannt ist. „Fuhren“ bedeutet Kiefern und diese wurden zum Heizen des Klosters genutzt. Eine große Grünbrache kurz vor Oetzfelde war früher einmal ein Reitplatz, auf dem Turniere stattfanden. „Das Dörfchen Tatendorf schloss sich im Jahr 1927 freiwillig der Gemeinde Ebstorf an, bei der großen Gebietsreform 1972 folgte Altenebstorf. Allerdings nicht freiwillig“, wusste Erdt zu berichten.

Die Grenze kreuzt dann den Wessenstedter Heerweg, der so breit angelegt wurde, damit die Ritter im Mittelalter mit quer gelegten Lanzen passieren konnten. Entlang der Hohenbünstorfer Grenze machte Beecken, der zur Kaffeepause zur Gruppe stieß, auf Rottekuhlen aufmerksam, die noch Mitte des vergangenen Jahrhunderts genutzt wurden, um Hanf und Flachs zu verarbeiten: Im Winter stellten die Arbeiter landwirtschaftlicher Betriebe mit den Hanffasern Seile und Garn her.

„Eine tolle Wanderung!“, meinte Ulli Hesse, der aus Berlin angereist war und als ehemaliger Ebstorfer zum ersten Mal am Grenzbeziehen teilnahm. Auch Gäste aus Munster und Natendorf waren unter den 40 Wanderern, die im nächsten Jahr „unbedingt“ wiederkommen wollen.

Von Monika Buhr

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