Höchste Sicherheitsstufe im Gericht beim Prozess gegen einen Ebstorfer und zwei Bardowicker

Es sollte eine Hinrichtung sein

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Durchsuchung am Landgericht Lüneburg: Für den Prozess gegen drei türkischstämmige Brüder wurden zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen.

Ebstorf/Lüneburg. Die Polizei hat das Areal im Umfeld des Landgerichts unter Kontrolle. Im Gebäude selbst kümmert sich ein Großaufgebot an Justizbediensteten und Polizisten um die Sicherheit.

Wer in den Prozess will, muss erst sämtliche Taschen leeren, durch eine Sicherheitsschleuse. Hinter der Schleuse muss er den Hosengürtel öffnen, wird am Körper auf Waffen abgetastet – und auch die Schuhe müssen ausgezogen werden, darin könnten Messer versteckt sein. Höchste Sicherheitsstufe gestern im Landgericht. Denn in Saal 21 sitzen drei türkischstämmige Brüder mit deutscher Staatsbürgerschaft, denen eine der grausamsten Taten in Lüneburgs jüngster Kriminalgeschichte vorgeworfen wird – eine Tat, die einer Hinrichtung glich, die die Betroffenen aber wie durch Wunder überlebten.

In dem Prozess wirft die Staatsanwaltschaft Ahmet (30) und Alihan (39) A. aus Bardowick sowie ihrem ältesten Bruder Tahsin (53) aus Ebstorf versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung vor. ,,Sie entschlossen sich, die Tat unmaskiert zu begehen, denn acht Maskierte in der Innenstadt würden auffallen“, führte Staatsanwalt Andreas Hanß beim gestrigen Prozessauftakt aus. Klar sei auch da schon gewesen: ,,Die fünf Begleiter sollten den Tatort absichern und mögliche Zeugen umbringen.“

Am nächsten Abend fuhren die Angeklagten laut Staatsanwalt mit mehreren großen Wagen, darunter ein Mercedes und ein BMW, zur Bardowicker Straße, parkten die Fahrzeuge dort. Acht Männer gingen gegen 19.25 Uhr zur Rotehahnstraße, trafen dort allerdings nur auf den griechischen Wirt und einen Gast, der mit dem Geschehen vom Vortag überhaupt nichts zu tun hatte. Der Staatsanwalt schilderte die Tat so: ,,Ahmet und Alihan A. zogen sofort ihre Waffen. Ahmet schoss dem Wirt in beide Beine. Zu seiner Überraschung aber stand das Opfer wieder auf, wollte ins Café flüchten. Da schoss er ihm in den Rücken.“ Dennoch habe es der Mann bis in die Gaststätte geschafft.

Ahmet A. ging laut Ankläger davon aus, dass der Wirt tödlich verletzt worden war. Die Gewissheit habe er sich aber nicht in dem Café verschaffen wollen, denn die Gäste dort hätten in der Überzahl sein können. Parallel zu diesem Geschehen gab es die zweite Szene, die der Staatsanwalt so schilderte: Der Gast, der vor der Tür stand, lief weg, als die ersten Schüsse fielen, wurde von Alihan A. verfolgt und aus kurzer Entfernung mit einem Schuss in den Rücken niedergestreckt, Messerstiche folgten.

Zudem musste das am Boden liegende Opfer etliche Tritte, auch gegen den Kopf einstecken. Dann sei Ahmet A. hinzugeeilt: ,,Er zielte mit seiner Waffe auf ihn und schoss, um ihn zu töten.“ Doch Tahsin A. geriet in die Schusslinie, der Schuss traf ihn in Oberschenkel und Bauch. In dem Moment sei ein Anwohner schreiend und in die Hände klatschend aus einem Haus gestürmt, der Ankläger: ,,Die Täter rechneten nun damit, dass nach den fünf Schüssen auch andere aufmerksam geworden sind, sie flüchteten.“ Der griechische Wirt wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen in eine Spezialklinik gebracht, ein Schuss ging knapp am Herz vorbei. Auch das zweite Opfer erlitt schwerste Verletzungen. Tahsin A. ließ sich erst nach einigem Zögern ins Krankenhaus bringen.

Von Rainer Schubert

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