Müller-Wurst wehrt sich gegen Anschuldigungen / Staatsanwaltschaft hat Fleisch beschlagnahmt

„Sie können nicht reingucken“

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Laut Staatsanwaltschaft Oldenburg wurde bei Müller’s Hausmacher Wurst in Ebstorf nicht zum menschlichen Verzehr geeignetes Fleisch beschlagnahmt. Das Unternehmen fühlt sich zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Ebstorf. Was ist dran an dem Gammelfleisch-Vorwurf gegen Müller’s Hausmacher Wurst? 60 Polizeibeamte hatten den Ebstorfer Betrieb am Montag durchsucht, Fleischproben genommen und Mitarbeiter vernommen (AZ berichtete).

Der Vorwurf: Müller soll verdorbenes Fleisch und sogenanntes Stichfleisch verarbeitet haben. Geschäftsführer Franz-Josef Hermes widersprach noch am selben Tag: Die Anschuldigungen hätten sich nicht bestätigt. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg dagegen teilte am Dienstag mit, die Beamten seien sehr wohl fündig geworden.

„Eine erste sensorische Überprüfung hat ergeben, dass sich in den Räumlichkeiten des Betriebes nicht verarbeitetes Fleisch befand, das nicht zum menschlichen Verzehr geeignet ist“, berichtete Sprecherin Dr. Carolin Castagna. „Dieses Fleisch wurde beschlagnahmt.“ Die mikrobiologischen Testergebnisse seien erst in einigen Wochen zu erwarten. Ausgewertet werden nun auch die beschlagnahmten Geschäftsunterlagen.

Geschäftsführer Franz-Josef Hermes: „Wenn Sie was suchen, werden Sie immer was finden.“

Das Unternehmen fühlt sich zu Unrecht an den Pranger gestellt und kritisiert den Umfang der Razzia als unverhältnismäßig. Die Abnehmer – Müller beliefert auch große Discounter – seien verunsichert. „Die Polizei hat Tiefkühlware überprüft. Die ganze Verarbeitungsware war in Ordnung“, erklärt Geschäftsführer Hermes auf AZ-Nachfrage. Tief gekühltes Fleisch werde nach dem Auftauen von Fachpersonal untersucht und gegebenenfalls entsorgt. „Sie können nicht reingucken“, sagt Hermes. „Wenn Sie was suchen, werden Sie immer was finden.“

Grundlage der Durchsuchung war die Anzeige eines Mitarbeiters, der nur kurzfristig bei Müller-Wurst tätig war, bestätigt der Sprecher des Landkreises Uelzen Martin Theine. Er habe seine Anzeige, die am 19. November beim Kreisveterinäramt einging, mit Fotomaterial belegt. Nach eintägiger Prüfung habe das Amt die Anzeige am 21. November zunächst an die Staatsanwaltschaft Lüneburg weitergegeben.

Vor der Anzeige ist der Ebstorfer Betrieb nicht auffällig geworden. „Der Betrieb wurde regelmäßig kontrolliert. Es wurden keine gravierenden Mängel festgestellt“, betont Theine. In den Jahren 2010 bis 2014 gab es 27 Kontrollen durch das Veterinäramt, in 26 Fällen wurden Proben genommen. Davon wurden acht Proben beanstandet, zehn waren einwandfrei, acht sind noch nicht abgearbeitet. 2014 fanden drei Kontrollen am 16. April, 13. August und 30. Oktober statt, berichtet Theine: „Bei den Überprüfungen wurden nur einige kleinere bauliche Mängel sowie einige Dokumentationsmängel festgestellt.“

Müller-Wurst hat nach den Angaben von Hermes am Dienstag bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg Akteneinsicht beantragt und seinerseits Anzeige wegen Verleumdung gegen den ehemaligen Mitarbeiter gestellt. Dieser war nach den Angaben des Geschäftsführers nur 14 Tage in den Ebstorfer Unternehmen beschäftigt, und zwar zur Einarbeitung als zukünftiger Abteilungsleiter. Am 17. November wurde er entlassen. Am 19. November erstattete er Anzeige.

Von Gerhard Sternitzke

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